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eingethuͤrmt. Von außen rennen die Horden um die Stadt
her, draͤuend, dieſelbe abzubrennen. Ein Ausfall verſcheucht
ſie, und bringt nebſt Andern Jakob Albiez, Einungsmeiſter
von Buch, den beruͤchtigten Salpetrerſohn, gefangen herein.
Eilige Hilfe erbittet die Regierung in Waldshut von Thi⸗
engen, und vom Obervogt Koͤpfer zu Gurtweil nach
Waldshut; Thiengen verſagt den Beiſtand, dieſer ſendet aus
der Reichsherrſchaft Gutenburg folgenden Tages fuͤnfzig
Landwehrmaͤnner, nebſtdem noch fuͤnfzig Spießflinten. Dieſen
folgten bald noch 150 bewaffnete Landwehrmaͤnner aus den
St. Blaſiſchen Reichsherrſchaften Bonndorf und Blumen⸗—
eck; an deren Spitze aber die dortigen ſchwaͤbiſchen Kreis⸗
ſoldaten, angefuͤhrt von Kreislieutenant Joſ. Anton Lud.
Auch aus der ruhigen Gegend von Immen eich ruͤckten auf
Befehl des Waldvogtes ſechzig Mann auf den Abend gegen
Waldshut an, unter Leitung des dortigen Wirthes Jo⸗
hann Michael Ebner. Als dieſe Schaar von Wald⸗
kirch abwaͤrts in die Waldhalde kam, hoͤrte ſie tief aus dem
Dickicht herab ein durchdringliches Jammern; Ebner erkennt
die Stimme ſeines Freundes, eines Muͤllers. Keck, aber allein,
ſpringt er dem Huͤlfsgeſchrei naͤher; da lag ſein Freund im
Blut, von zaͤhneknirſchenden Salpetrert umringt. Sogleich
werfen dieſe Ebner zu Boden, und ſchlagen ihn beinahe todt.
Indeß war eine mordſuͤchtige Rotte aus dem Hinterhalt fauf
die ſechzig Mann hingeſtuͤrzt, wuͤthend dareinſchlagend. Mehr
todt als lebend ſchleppt man ihrer Viele nach Herriſchried,
und wirft ſie — zur Wiedervergeltung wegen der zu Walds⸗
hut eingekerkerten Spießgeſellen — in duͤſtere, feuchte Keller.
Auf Beute erpicht, ſchwaͤrmen die Haufen hin und her, ſchla⸗
gen, verwunden, rauben, ſetzen gefangen und morden; lang⸗
ſam mit buͤbiſcher Luſt unter Weihgeluͤbden, wofern ihre Buben⸗
ſtuͤcke geluͤngen.
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