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weil ſie bei Pluͤnderungen das Meiſte beuten. Grauſam, — weil
ohne Menſchlichkeit, verderblich, — weil ohne Religion —,
belachen ſie des Vaterlands Umſturz. Zwar hat man laͤngſt
ſchon dieſes Uebel gefuͤhlt; man hat Geſetze, Verordnungen
und Anſtalten dagegen, aber mehr auf dem Papier, als im
Lande ſelbſt. Fuͤhrt man die zahlloſen Horden von Herum⸗
zuͤglern, Scheerenſchleifern, Pfannenflickern, Zainen⸗(Korb⸗)
machern, Salpetrern, womit der Wald uͤberſaͤet iſt, da zum
Lande hinaus; ſo ſchleichen ſie dort wieder herein, und raͤchen
ihr vermeintlich erlittenes Unrecht durch zuͤgelloſes Schmaͤhen
der Obrigkeiten. Ob ſie gleich nichts haben, ſchwelgen ſie;
obgleich nicht verehelicht, pflanzen ſie ſich fruchtbar fort, vom
Brod des Volkes lebend, und dennoch dieſem nicht unwerth.
Denn dieſes Geſindel hat die Kunſt wohl eingeuͤbt, ſich bei
Jedermann einzuſchmeicheln. Verfolgt man ſie, ſo wiſſen ſie
die Landleute damit aufzureizen, vorgebend: ſobald man Bettler
verjage, komme ſogleich Krieg, Hunger und Peſt. Sie ſind
des Volkes Zeitungen und Tageblaͤtter. Sie erzaͤhlen Maͤh⸗
ren, Schnurren oder Wundergeſchichten, wahr oder erlogen.
Vor Frommen melden ſie ihre Pilgerfahrten, vor Luſtigen
ſpielen ſie Hannswurſtenſchwaͤnke, jungen Leuten erzaͤhlen
oder ſingen ſie die zottenvollſten Haͤndel; ſpielen Komoͤdien,
laſſen Teufel erſcheinen, treiben Schwarzkuͤnſte. Dieſer Krebs
frißt ſtets um ſich; dieß Uebel weckt die glimmenden Funken,
dieſe naͤhern behend die Flammen des Aufſtandes. In ob⸗
ſchwebender Unruhe ſtanden Vagabunden an der Spitze; halfen
rauben, pluͤndern, quaͤlen und morden. Ertrage darauf an,
daß man ſie ſchaͤrfer — als bisher — behandle; ſ e alſo auffange,
verhoͤre, richte und ſtrafe.“
Kaum hatte Koͤpfer in dieſem Sinne geſprochen; (am
28. Winterm.); ſo befahl gleich folgenden Tages die Regierung,
die Herumzůgler ſaͤmmtlich zu fangen, und erklaͤrte ſie vogelfrei.
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