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Der Landtag beſchloß am 4. Chriſtmonat die Tagfahrt mit
einer Bittſchrift an die Kaiſerin, worin er des bisher Erzaͤhlten
in Kurzem erwaͤhnt, und das Anſuchen ſtellt, daß die Unter⸗
waͤlder verbeſſert wuͤrden.
Das folgende Jahr, 1746, ſandte die Kaiſerin einen
Herrn Vintler, oberoͤſterreich. Regierungsrath, nach Walds⸗
hut, einen fremden Mann, auf den kein Verdacht einer von
St. Blaſien erlittenen Beſtechung oder Parteilichkeit fallen
konnte; um den Aufſtand zu unterſuchen und zu beſchwich⸗
tigen. Um das Vertrauen des Volkes zu gewinnen, aͤußerte
er große Abneigung gegen St. Blaſien, das er als den
Zwietrachtzunder anſah. In ſeinem umfaſſenden Berichte traͤgt
er aber auf durchgreifende ſtrenge Strafen an, auch auf Er⸗
ſatz der Koſten und Entſchaͤdigungen. Mit Milde begegnete
die Landesfuͤrſtin ihren verirrten Unterthanen. Sie laͤßt den
Regierungsadvokaten Berger und den Schreiber Nikolaj
ewig nach Kufſtein, in die Bergveſte verweiſen. Johann
Thoma, der Eckbauer von 45 Jahren ward, nachdem er zu
Innsbruck Todesangſt erlitten, auf immer in eine Ungari⸗
ſche Feſtung geſperrt. Dahin wurden ferner, aber jeder nach
einem andern Platz, verbannt: Joſeph Mayer von Au —
(Glasmaͤnnle), von Unteralpfen gebuͤrtig, in ſeinem 55ſten
Lebensjahre; dann Michael Troͤndle — (der Schwarz⸗—
michel) — von Bergalingen, 55 Jahre alt; und Martin
Mutter — ein Gerber von Ruͤßweil. Sie mußten Urphede
angeloben und den Eid leiſten, nie wieder in ihr Vaterland
umzukehren. Dieſelbe Strafe ward uͤber Blaſius Hottin⸗
ger von Niedergebisbach, 62 Jahr alt, und den Gaudi⸗
hanns, oder Johann Waßmer von Segeten, 55 Jahr
alt, verhaͤngt; allein der natuͤrliche Tod hatte dieſe Beiden
vorher der Gerechtigkeit hienieden entruͤckt. Schadenerſatz mußte
von Schuldigen geleiſtet werden; ſtatt der Buße galt die Ge⸗
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