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fangenſchaft waͤhrend der Unterſuchung; ledige Burſche ier⸗ J
gab man den Soldaten.
Zwar ſchien Eintracht und Zutrauen wieder in den zer⸗
riſſenen Gemuͤthern zu wurzeln; aber nur zu bald fiengen
alle Umtriebe von Neuem an. Es war ſchwer zu ſagen, wen
dieſe Geißel ſchaͤrfer traf; ob das Land, die Einungsobmaͤnner,
Pfarrer oder Beamte. Mit dem Jahre 1754 ſtanden alle Ver⸗
haͤltniſſe ſo feindſelig, wie 1744. Schnell und kraͤftig, ge⸗
ſchuͤtzt von aͤußerm Landfrieden, legt ſich die nach Freiburg
zuruͤckgekehrte Regierung dazwiſchen; laͤßt entwaffnen, einker⸗
kern, und daͤmpft das Feuer. Erſt ward ein Herr Pfen⸗
ning zur abermaligen Unterſuchung geſandt; ſpaͤter Freiherr
von Summerau, Kammerpraͤſident. Dieſer pruͤft gelaſſen
Alles, und berichtet aufs genaueſte nach Wien. Der Kaiſerin
fiel auf, wie lebenſchonende Verweiſungen 1729 nicht verfien⸗
gen; wie das Blutvergießen von 1739 die Empoͤrungsſucht
nicht daͤmpfte; wie ihre Milde 1746 nur aufs Neue den
Uebermuth foͤrderte. Dießmal alſo dachte ſie auf Mittel, das
Uebel an der Wurzel zu faſſen. Es gehen Befehle nach Walds⸗
hut. Bevbr ſie verkuͤndet und vollzogen werden, ordnet man
Reiſe, beſtellt hinreichende Wagen, zu Ulm Schiffe. Schon
waren die ledigen Burſche theils an die Soldaten abgeliefert,
theils wurden die Entlaufenen bei ihrer Ruͤckkehr ergriffen,
und abgefuͤhrt.
Auf den 9. Weinmonat 1755 laßt man unverſehens fol⸗
gende ſieben und zwanzig Maͤnner Nachts durch große Mann⸗
ſchaft aus dem Bette nach Waldshut ins Gefaͤngniß brin⸗
gen, naͤmlich: Johann Marder (Preuße) von Eſchbach,
Georg Ebner von Birdorf, Nikolaus Gottſtein aus
der Reuti, Adam Jehlin von Dogern, Fridolin Albiez
von Buch, Martin Baͤr von Hierholz, Johann Stritt⸗
matter von Gerweil, Konrad Gamp von Dogern, Jo⸗
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