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beſorgt, was ihm unſchaͤtzbar iſt; naͤmlich jenen Schein von
buͤrgerlicher Unabhaͤngigkeit, welchen ihm ſein bisheri⸗
ger, wenn gleich aͤrmlicher Zuſtand gewaͤhrte. In dieſem
Mißtrauen wird er durch den Hinblick auf die nahe, in einer
Zanz andern politiſchen Stellung befindliche Schweiz uͤber⸗
haupt, und insbeſondere durch die Einfluͤſſe desjenigen
Theiles beſtaͤrkt, welcher fuͤr ihn die groͤßte Bedeutung hat.
Auf ſeinen Zuͤgen, beſonders nach Einſiedeln, findet er
die alte Reichsfreiheit der Bergkantone und auch den
mittelalterlichſten roͤmiſch-katholiſchen Glauben
wieder. Dort wird nicht nur (nach der Angabe von Vielen)
im Beichtſtuhle ſeine ohnehin große Abneigung gegen jede
Neuerung (als dem Seelenheile zuwider) noch vermehrt; ſon⸗
dern es werden ihm auch gleichmaͤßige Schriften mitgegeben,
uͤber welchen er in den langen Winterabenden bruͤtet, und
welche ihn noch mehr ſeiner Zeit und den aufgeklaͤrteren Mit⸗
buͤrgern ſeines Vaterlandes entfremden. Kein Wunder, daß
bei Einzelnen und bei ganzen Familien, bei welchen Anlage
und Neigung zur politiſch⸗-religioͤſen Schwaͤrmerei
unverkennbar iſt; alle jene Traͤumereien wieder zuruͤckkehren,
welche ſchon mehr als ein Jahrhundert hindurch mit allen
Waffen der Vernunft und des Zwanges vergebens be⸗
kaͤmpft wurden.
Es war im Jahre 1815, als die Salpetrer in dem Ae⸗
gidins Riedmatter von Kuchelbach wieder auf kurze
Zeit einen Vereinigungspunkt und einen Anfuͤhrer fanden,
deſſen ſie ſo lang entbehrt hatten. Dieſer alte Mann gab
zwar vor, der Geiſt des Stifters Albiez ſelbſt ſei ihm er⸗
ſchienen und habe ihn zu ſeinem Nachfolger eingeweiht; aber
deſſen ungeachtet erreichte er weder an Scharfſinn des
Verſtandes noch an Energie des Willens dieſen, oder
irgend einen ſeiner bedeutenderen Vorgaͤnger. Seine Aufgabe
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