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fort, und die neuen Salpetrer ſuchen die Maßregeln der
Regierung, welche ſie nicht hindern koͤnnen, wenigſtens zu
umgehen.
Dabei wollen dieſe Leute von der Gerechtigkeit ihrer
Sache und der Wiederherſtellung ihrer alten Rechte
ſo ſehr durchdrungen ſeyn; daß unter Andern Riedmatter
oͤffentlich ſich aͤußerte: „er koͤnne gar nicht begreifen, wie andere
Leute ſo thoͤricht ſeien, dieſes nicht einſehen zu wollen.“
Auch der alte Aberglaube mit ſeinen Maͤhrchen wurde dabei
in das Spiel gezogen. Man erinnerte ſich, von alten Maͤn⸗
nern gehoͤrt zu haben, daß diejenigen Salpetrer, welche einſt
an den Galgen gekommen, am neunten Tage ein Zeichen
von ſich gegeben haͤtten.? Als man andere nach Waldshut
abgefuͤhrt haͤtte, ſei ein Vorgeſetzter gefragt worden, was
man mit denſelben anfangen werde? Er habe die Antwort
bis nach Tiſch verſchoben, aber noch waͤhrend des Eſſens
geſagt: wenn die Salpetrer Recht haͤtten, ſo wolle er nicht
mehr geſund von dem Tiſche aufſtehen; und er ſei auch
wirklich ſogleich an einem Stuͤcke Fleiſch erſtickt. Ein An⸗
derer habe gleichfalls zu Waldshut geſagt: wenn die Sal—
petrer Recht haͤtten, ſo ſolle er den prieſterlichen Segen
nicht mehr empfangen; und auch dieſer ſei, da ein Prieſter
bei einem Kreuze zwiſchen Waldshut und Oberalpfen
den Segen gegeben, ploͤtzlich todt niedergefallen. Endlich habe
noch ein Dritter geſagt: wenn die Salpetrer Recht haͤtten, ſo
ſolle er nichts Anderes genießen koͤnnen, als was Schweine
und anderes Vieh genießen; und ſo ſei es auch dieſem ge⸗
ſchehen. **)
*) Dieſes Zeichen beſtand nach der Angabe des Lorenz Huber
darin, „daß man Blut von ihnen habe faſſen können.“
**) Erklärung des Kanut Eſſer von Birndorf, mit Regina
Riedmatter, einer Verwandten des Aegidius verheirathet.
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