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ſich in die Schweiz und in das Elſaß; kehrten aber nach
kuͤrzerer oder laͤngerer Friſt wieder in die Heimath zuruͤck. Sie
wurden hier einzeln angehalten und an das Amt abgeliefert.
Nur bei Wenigen ſcheint die Beifangung Aufſehen gemacht oder
Tumult erregt zu haben. So bei Magnus Riedmatter,
welcher in der Kirche von Birndorf von dem Gardiſten auf⸗
gegriffen wurde. Die anweſenden Maͤnner draͤngten ſich zu⸗
ſammen, und riefen „daß Niemand aus der Kirche geſtohlen
werden duͤrfe.“ Von den Frauen außerhalb der Kirche ver⸗
nahm man das Geſchrei, „man ſolle den Gardiſten todt⸗
ſchlagen.“ Dieſer ſah ſich gezwungen, fuͤr damals von
ſeinem Vorhaben abzuſtehen.
Als die Unterſuchungsacten dem Hofgerichte zu Freiburg
zum Endurtheile vorgelegt wurden, verfuhr dieſes ſehr mild;
indem es die Widerſetzlichkeit dieſer Leute als Folge ihrer fixen
Ideen anſah, und zugleich die geringe Geiſtesbildung
derſelben beruͤckſichtigte. Sie wurden auf einige Zeit zur
Strafe des Arbeitshauſes oder zu oͤffentlichen
Arbeiten verurtheilt. Wenn auch dadurch der alte Aegi⸗
dius Riedmatter nicht von ſeinen Traͤumereien geheilt
wurde, ſo kam doch ſeine voͤllige Unfaͤhigkeit an den Tag,
die Rolle eines Partheihauptes zu ſpielen. Er ſank,
nachdem er auf kurze Zeit die Aufmerkſamkeit erregt hatte,
wieder ganz in die verdiente Vergeſſenheit zuruͤck.
Hatten uͤbrigens bei dieſer Gelegenheit die Salpetrer haupt⸗
ſaͤchlich die pol itiſ che Seite ihres Syſtemes entwickelt; ſo
traten ſie dagegen in neueſter Zeit um ſo mehr mit der
religioͤſen Seite deſſelben, und bei dieſer nicht ganz ohne
dem Aegid geblieben, entſchuldigte er ſich damit: „ſie hätten
ſich der Hoffnung überlaſſen, daß die Hatſchiere nicht kommen
würden.“
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