http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/mgl-1943/0015
zum schwarzen Wald. Die Ernte ist groß, und wenige Hände gibt's, die
sie bergen. Aber die daheim schaffen es.
Bis zum Boden herunter biegen sich die Äste der Birn- und Apfelbäume
ob ihrer schweren Last. In den Reben reift der Wein, der fast nur Sonne
getrunken hat. Du gehst nach langer, langer Zeit wieder einmal in den
Herbst, du bist am frühen Morgen schon im Rebberg, über dem bis gegen
Mittag ein dicker „Drübelweiger" liegt, du schneidest Trauben ab oder
trägst das Bücki, du sitzest am Rain in langer Reihe mit den anderen zur
Herbstsuppe, zum Z'Nüni und Z'Obe. Du hilfst beim Abladen, die Trotte
geht, und ehe ein paar Wochen ins Land gegangen sind, probierst du den
„Neuen".
Die Erinnerung weicht nicht von deiner Seite. Von den ersten Bubenjahren
bis zur jetzigen Stunde schlägst du Bogen um Bogen. Vermeintlich längst
Vergessenes und Vergangenes wird lebendig. Und nicht nur Besonderes
und Ausgewähltes ist dabei, nein, auch kleinste, unscheinbare Kleinigkeiten,
die Linde auf dem „Luginsland" wie der Stock roter Winterastern in der
rechten Ecke des kleinen Gartens vor dem Haus.
Vielleicht war dir das Glück beschieden, dies alles nicht nur aus weiter
Ferne im Geiste zu schauen, sondern in ein paar, wenn auch viel zu
kurzen Urlaubstagen. Dann wirst du auch bemerkt haben, daß selbst die
rot-weiße Schranke am Bahnübergang in der Heimat irgendwie mit dir
verbunden ist. Stand da nicht der Längi Hans mit seinem Wagen, als
dich der Zug hinaustrug in die Ferne ? An keiner anderen der vielen
Millionen Bahnschranken wirst du einen Menschen beim Namen kennen
und wirst du freudig sagen können: Das ist auch einer aus meiner Heimat
im Rebland.
Auf dem Blauen liegt wieder Schnee. In den Markgräfler Stuben wird
der Weihnachtsbaum gerichtet. Da finden wir uns alle, ob in weiter
Ferne oder daheim, zusammen. Und bei uns werden auch all die guten
Kameraden sein, die ihr Leben für die Heimat gaben.
Fischer Fritz
Dieser Weihnachtsbrief ist im Auftrag" von Kreisleiter Grüner herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft
zur Pflege der Geschichte des Markgrafleriandes.
Die Zusammenstellung besorgte Kreiskulturstellenleiter Otto Reinacher,
den Druck: Kropf & Herz, Lörrach-Tumringen.
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