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Das Markgräflerland: Beiträge zu seiner Geschichte und Kultur
35.1973, Heft 3/4.1973
Seite: 207
(PDF, 22 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/mgl-1973-03-04/0101
»Als anno 1830/31 Basel-Stadt mit der ,Landschaft' in Krieg verwickelt
wurde, und die Baseler nach dem unglücklichen Ausgang die Landschaft nicht
mehr besuchten, trugen sie nicht wenig zur Hebung der neuen Wirtschaft bei,
welche Vater Rottra mit unermüdlicher Tätigkeit vergrößerte. Wir zählten oft an
schönen Sonntagen 400—500 Gäste. Kaum vermochten die Räume im und um das
Haus die Trinklustigen zu fassen. Als anno 42 und 43 der Bau der Eisenbahn begonnen
, vermehrte sich unser Geschäft wieder, hauptsächlich die Metzgerei. Wir
schlachteten dato wöchentlich zwei Ochsen.« (Fr. Rottra)

Der Vater Bartlin starb nach der mißlungenen Revolution, wohl in bitterer
Sorge und großer Enttäuschung, im Jahre 1849 und hinterließ seinem ebenso
qualifizierten Sohne Friedrich Rottra (1821—1903) das großartige Anwesen. Der
Anker war wie der Hirschen in Haltingen zu seiner Zeit eine der bevorzugtesten
Gaststätten im Rebland. Der Ankerwirt genoß in der Markgräfler Landschaft
hohes Ansehen durch sein vielseitiges Wissen und öffentliches Wirken: Der Vater
hatte ihn nach dem Studium auf dem Karlsruher Technikum in die Lehre und
auf Reisen in die Schweiz geschickt, um ihn danach zu Hause im eigenen Betrieb
anzulernen. Nach dem verunglückten Zug nach Staufen mit den Freischärlern
Struves und der Heimkehr auf Umwegen über das Elsaß und Basel mit Spott und
Hohn im Heimatdorfe mußte er bald den väterlichen Betrieb übernehmen, dem er
über 50 Jahre vorstand. Als Landtagsabgeordneter widmete er sich ebenso der
Politik wie als aufgeschlossener Bauer vor allem dem heimischen Rebbau.

Zu seinem repräsentablen Anwesen gehörten zwei gewölbte und ein gemauerter
Keller mit den vorzüglichsten und gerühmten Weinen, eine Metzig, Stallungen,
die Chaiseremise, im 2. Stock ein großer Speise- und Tanzsaal und elf Fremdenzimmer
.

Da er keine männlichen Nachkommen als Erben einsetzen konnte, bewarb er
sich wiederholt um das Realrecht für das Haus, wurde ihm aber bis zuletzt verweigert
. Es wurde erst nach seinem Tode für die drei Töchter bewilligt, welche das
Anwesen durch Abfindung dem Enkel Konrad Friedrich Bautz (*1872) eigentümlich
übergaben. Als dieser am Kriegsende, 1918, fiel, führte seine Witwe den Betrieb
weiter, verpachtete ihn aber vorübergehend an den Metzgermeister H. Zimmermann
, bis ihn der Sohn Friedrich Gustav (oo 1933; t 1961) eigentümlich übernahm
. Am 1. März 1972 wurde das Anwesen verkauft. Das Haus beherbergt und
bewirtet seitdem Fremdarbeiter.

Zum (1.) »Rebstock«

Am 28. Mai 1849 bewarb sich der Bierbrauer und Küfer Johann Heinrich
Wittich um die Wirtschaftsgerechtigkeit. Er begründete sein Gesuch mit dem gesteigerten
Bedürfnis der Gemeinde und der Nachfrage von Reisenden, welche von
den drei »ungeräumigen« Wirtshäusern im benachbarten Efringen mit der Endstation
der Eisenbahn nicht aufgenommen werden könnten und genötigt seien, in
Kirchen Unterkunft zu suchen. Er verwies auf seine Eignung als Wirt der Gemeindestube
, welche er nun schon 16 Jahre gepachtet hätte.

Nach dem Tode des Vaters wurde dem Sohne Johann Heinrich das Personal-
recht 1858 genehmigt. Dieser plante auch, seinen Bierkeller gegen Efringen zu zu
überdachen und auf dem Felsenkeller eine Sommerwirtschaft zum Ausschank seines
selbstgebrauten Biers einzurichten. Das Recht hierzu wurde ihm auf Lebenszeit
bewilligt, wenn seine Mutter auf ihr Personalrecht zum »Rebstock« verzichten
würde. Ob diese geplante Bierwirtschaft zum Ausschank kam, wird
nicht berichtet. Wenig später, 1865, bat er um die behördliche Erlaubnis zur Erweiterung
des »Rebstock« und um das Realrecht, da*- ihm aber von der Gemeinde
verweigert wurde. Mit nicht geringen Kosten hatte er bereits zwei Keller und eine
zweite überdeckte Kegelbahn im Hof gebaut. Im Jahre 1868 erfolgte der Verkauf
an den Ochsenwirt August W. Herter (siehe »Ochsen«).

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