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Das Markgräflerland: Beiträge zu seiner Geschichte und Kultur
77.2015, Heft 1.2015
Seite: 168
(PDF, 39 MB)
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Müller: Wenn das wahr ist, so kann ich nur sagen, daß sich der Bundesrat verächtlich
benimmt und nicht verdient, von einem bessern Hund angepinkelt zu werden.
Ich hasse diese „Gerechtigkeit ä tout prix", dieses: „Ja, der Mann hat doch..."
eben das macht über die Stärke des Faschismus aus, der - helas - alles hat, nur
keine rechten Gegner (GA 21, S. 334 f.).

Und noch immer ringt der Berliner Autor mit seiner Züricher Freundin um die
Bewertung der Ereignisse: Am 24. 9. 35 schreibt Hedwig Müller an Tucholsky:
„Ich lege Dir hier Ausschnitte der Affäre Jakob bei (...). Ich bin über die Ausweisung
mit Dir nicht ganz einverstanden: Er ist schwarz über die Grenze gekommen,
kann jederzeit nach Frankreich zurück, so daß ich nicht recht einsehe, warum man
ihn hier behalten soll, abgesehen davon dass die ganze Geschichte sowohl der
Stadt Basel, wie die Eidgenossenschaft ein recht schönes Geld gekostet hat. Die
drei Tage „Haft" im Lohnhof waren nicht gerade schlimm. Wenigstens sah sein
Zimmer aus, wie das einer Primadonna, vollständig mit Blumen gefüllt (...). Die
Basler und besonders der Polizeidirektor, freuen sich viel zu kindlich darüber, daß
man ihn losgekriegt hat" (zitiert nach GA 21, S. 728).

VIII

Gegen Ende seines Lebens verknüpfen sich für Tucholsky die Schicksale seiner
Lebensgefährten Jacob und Ossietzky. In einem Brief an den Träger des Friedensnobelpreises
1933, den englischen Schriftsteller Norman Angell, bittet Tucholsky
am 3. Oktober 1935 diesen um Hilfe für Ossietzky, denn: Die Stimme Englands
gilt in Deutschland viel. Kann man dem Mann helfen-? (...) Daß der Druck der öffentlichen
Meinung etwas ausrichten kann, sehen Sie am Falle Berthold Jacob,
gleichfalls ein Mitarbeiter meines alten Blattes. Die Schweiz hat nicht nachgegeben
, und er ist frei gekommen (GA 21, S. 365).

An Hedwig Müller, 9.10.1935 aus Hindas:

Habe hierselbst die Basler (Zeitung, Anm.) gekauft - (...). Es ist sehr brav, sehr
anständig, sehr wacker, alles, was Du willst, viel mehr kann man auch von einer
Tagszeitung dieses Stils nicht erwarten (...). Was ich vermisse, überall vermisse,
ist der feste Standpunkt, gepaart mit einem glühenden Willen. Der Faschismus hat
keine Gegner, nur unwillige und aufgeschreckte Leute (GA 21, S. 368).

Nochmals ähnlich an Elisabeth Gertrud Dunant, Hindas, um den 6.11.1935:
Natürlich kann das Blatt von Basel aus nicht Deutschland vernichten - aber was
ich bemängele, ist jene geistige Haltung, die wir oft besprochen haben (...). Viel
mehr Würde. Viel mehr Ruhe. Viel weniger Beschäftigung mit dem Kleinkram -
Totschweigen, totschweigen, totschweigen. Keine Kritiken deutscher Bücher - es
gibt genug französische, und die Basler sprechen beide Sprachen. Viel mehr Positives
- aber das haben sie eben nicht. Nur von einer neuen, in sich solidierten

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