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Speieriſche Chronik.
gedrenge ſo gros in den gaſſen den berg herabe zuͤ der
ſtatt, das ich gemeynt hett, wir ſolten uns ſelber mit
gedrang getoͤtet han, dann auch ſunſt von unſern luten
alſo toͤt blieben. Und ſint von den unßern nach der
großen mangellunge nit viel toͤt blieben, ſo ferre man es
noch weiß. Die Luͤtcher flogen zijtlichen und verborgen
ſich in die huͤſer heymlichen, alſo das uff der ſtraßen
nit vil tot bliben. er iſt auch vil erdrenckt worden. Man
ſaget auch, das der juͤnge von Beyern toͤt ſij geſchlagen
und ander ir cappitanien. Ein mechtiger heuptman iſt
nach gevolget und hat alſo in der flocht uff drutuſent und
me toͤt geſlagen; aber es ſint noch geweſt uber 42 tu—
ſent, war die komen ſint, weis got wol. Ich han ir we—
nig geſehen zu Luͤtich dann doͤt.
Der konig und myn genediger herre han iren leger
im pallaſt. Myn juncker hat mit gottes hulff die ritter⸗
ſchafft erlich an ſich genommen uff uwer genaden wol—
gevallen; dann nach dem er juͤnge und ſwach iſt, hett
er nit ſo gut wartuͤnge gehabt, er were dick erdruckt
und erdreett worden. Auch iſt myns genedigen herren
meynunge, die ſtatt uß zuͤ brennen ꝛc. Ich hett uwern
genaden von dieſen dingen lenger geſchrieben, ſo han ich
der zijt nit gehabt, auch ſo bin ich ſo moͤde geweſt, das
ich mit arbeit umbe die mitternacht geſchrieben han,
auch hatt ich nit me bappier. Enediger juͤncker, ¹ wir
müßten all unſer wagen und pferde loßen ſtan in dem
felde, wann ſie nit in ſtatt mochten kommen, und was
unſer ſorge, das wir die alle verloren. Alle myns jün—
ckern geſelſchafft iſt noch geſunt von der genaden gottes,
der uch behuͤt vor allem leyde. Geſchrieben zuͤ Lutich
uff ſuͤntag nach ſant Symonis und Juden tag anno
etc. 68. (l. 1467).
271. [Krieg zwiſchen Ungarn und Böhmen.]
1468. S. 658. Dem hochgebornen furſten und her—
ren, hern Wilhelm hertzog zu Sachſſen lantgrave in
Thuͤringen margraffe in Myſſen, mynem gnedigen her⸗
ren minen underthenigen willigen dinſt ſy uwern furſt⸗
lichen gnaden zu vor an bereit. Hochgeborner furſt und
gnediger herre! umb ſunderlich gnaden willen, die ich
zu uwern gnaden tragen, geben ich der ſelben uwern
gnaden frolich und zu eren zu erkennen, in gantzen tru—
wen, uwer gnade gern horen wurde. es iſt off nehſt
dinſtag post visitationis Mariæ (4. Juli) geſchehen durch
den von Sternberg, mich und ander unſere zugewanten,
dem ketzer, den man nennet den konig von Beheim,
und me dan druͤ tuſent man tott geſlagen und wol 10
man gefangen und 6 geſchock, da thude ye das geſchock
60 wagen mit gleffen, buhßen, gezelten, und ander
1 l. herre.
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pronder angewonnen. So hat auch unſer gnediger herre
der konig von Hungern und wir mit ſinen gnaden wol
40 oder 50 ſtette, ſloſſere und merckflecken zu criſten⸗
glauben bekert, die andern zurbrochen und zurſtort. Es
iſt off ein mandag ein crucifir in menſchenwiſe uber
unſerm herren zwuſchen 9 und 10 frue des morgens
erſchinen, me dan ein halp ſtunde da gehalten, das es
me dan 10 tuſent menſchen ſahent; da ſint wir alle mit
unßerm volck gemeinlich uff unßer knuͤwe gefallen, mit
unßerm gebette und mit unßerm geſange ere gebotten
gotte, alſo iſt es uns wol ergangen. und unßer gnedi⸗
ger herre der konig von Huͤngern und wir alle mit
yme ſint mit macht gezogen vor die ſtat Prage. es was
uns ein wile hart mit ſpiſe, aber der almechtig got hat
es gefuͤgt, daz der konig von Polan uns geholffen hat.
und uwer gnad mag in warheit gantz glauben, daz
davor geſchriben iſt, alſo ergangen und war iſt. ſolichs
wolt ich uwern gnaden unverkundet nit laſſen. und wie
es uns und unßerm gnedigen herren fortter zu handen
ergen wirt, wil ich uwern gnaden zu erkennen geben
ouch nit verhalten, dan wo mit ich uͤwern gnaden frucht—
ber dinſt erzeigen mochte, wer ich geneigt hertzlich verflißen.
Datum im felde nach dem ſchlagen uff fritag nach ſant
Margreten tag (15. Juli) anno 68. Heinrich herre zu
Swanberg.
272. [Prophezeihung.] * S. 659. Ein lilige
regnirt in dem edelſten lande der criſtenheit, wirt ſich
bewegen wider den alten lewen und wirt ſtan in yrem
eigen acker Wiſſenburg, zwuſchen des lewen verretern.
und dan wirt uff ſtan des menſchen ſone und bringt
dry wiſer adeler, die habent ir flugel uff gereckt uüber
die blawen wolcken, geziert mit gulden roſen. des men—
ſchen ſon wirt man forchten doch gantz Almanien, des
wonunge ytzunt iſt in der gegen des mones. mit einer
mechtigen ſchare volckes wirt er umbgeben die lande des
* Dieſe Prophezeihung betrifft den Krieg des Pfalzgrafen
Friderich J. gegen die Reichsſtadt Weiſſenburg bei Hagenau. Fri⸗
derich heißt darin der alte Löwe, vom Pfälzer Wappen und weil
die Fehde in ſeine letzten Lebensjahre fiel. Die Lilie iſt der König
von Frankreich, der Adler aus Orient der Kaiſer. Die drei weißen
Adler im blauen Felde ſind das Wappen von Leiningen. Des
Menſchen Sohn wird am Ende des Kapitels Karl der Kühne ge⸗
nannt, und Muſa die Städte. Eigentlich ſind es nur die drei
Rheinſtädte mit ihren Anfangsbuchſtaben, Mainz (M), Worms (U),
Speier (S). Zur Zeit des Weiſſenburger Krieges (1469 bis 1471)
war die Heirath zwiſchen Maximilian und Maria von Burgund
noch nicht geſchloſſen, obige Meinung beruht aber ſchon auf der
Verbindung zwiſchen Hſterreich und Burgund, die Prophezeihung
ſcheint daher ſpäter zu ſeyn, als der Weiſſenburger Krieg. Sie
verdient nur Rückſicht durch ihr Urtheil über die damaligen Perſonen
und Verhältniſſe. Vergl. Münch's Franz von Siurgen, S. 194.
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