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6 Belagerung der Stadt Bretten,
betheidingt, daß er daß cloſter innemen und die, ſo
darinnen lagen, mit irer were abziehen ließ. *
9. So baldt aber ſolliches geſchahe, zohe hertzog Ul⸗
rich furter die Knitlinger ſtaig herab, legert ſein her zu
dem Steger ſew, ** da ſich Pfaltz und wurtenbergiſch
gebieth ietzunden ſcheiden, verharret aldo uff acht tag,
biß er ſein ferrer notturfft und was ſich zu ſolcher ſachen
gepuͤrt, in beſſerer ordnung pracht. Alß er nuhn ſeine
gezelten uffgeſchlagen und ſich aller dings geruſt, etliche
tag zuverharren, wie auch geſchach, begab es ſich uff
einen tag, daß ein ſolch ungeſtumbt wint und wetter
kame, daß meniglich erſchrockens hette, dan der windt
zerriß die ſail, warff die zelten umb, pracht alle ding
in uhnordnung, daß irer viel ſich unglücks erwegen
hetten.
Nuhn het man aber unlang darvor etlich unhollen
zu Pretten verbrant, dardurch ein erdicht geſchrey end—
ſtundt, es weren viel unholden in der ſtatt, deßhalben
die Wurtenbergiſchen gemeinlich vermeinten, es hetten
die unholden ſolch wetter uber ſie zugericht, daß aber
nitt wahr.
10. [Anzug der Wirtenberger.] Darnach uff
dinſtag [nach] ' corporis Christi (11. Juni) anno ꝛec.
1504. zohe hertzog Ulrich von Wurtenberg mit gedachtem
ſeinem kriegsheer für die ſtatt Bretten, die mit dem rei⸗
ſigen zeug berendt, belegert ſein heer erſtlich darmit göhn
Gelßhauſen *** und in denſelbigen grunt herab, an dem
waſſerflußlin biß göhn Weißhoffen, † richtet alßbaldt
die ſachen dahin, daß die ſchantz körb, dy vorhin, die
weil ſie bey dem Steger ſew, in Derdinger und Gelß—
hauſern lochern gemacht, dieſelbigen noch uffgericht, die
ſchantz von Hans Rentters damalß ietz Peter Kochels
nußbaumen hinder dem Pfeiffthurn biß oben nochendt,
da ſich Geltzhauſſer und Gochsheimer weg ſcheidet,
gegraben, ein korb an den andern uffgericht, mit erden
gefullet, und daß geſchutz gelegert wardt, alſo daß
morgens, als es tag wardt, iederman daraben verwundert,
daß in eyner nacht ein ſolche groſſe menge korb, deren
uff die ſechſthalb hundert waren, gefullet und uffgericht
¹ fehlt in der Handſchrift.
* Schwartzerdt berichtet die Uebergabe Maulbronns ausführ⸗
licher, als die Urkunden im Pfälzer Cop. Buch Nr. 17. Bl. 207. 208
In dieſen ſind zwar alle Edelleute genannt, welche die Beſatzung
bildeten, aber die Gründe der Uebergabe nicht auseinandergeſetzt.
** Scheint ein Weiher geweſen zu ſeyn bei der Störrmühle
zwiſchen Bretten und Knittlingen.
** NW Gölshauſen nordöſtlich von Bretten.
† War ein Dorf in der Gegend der jetzigen Rehhütte bei
Bretten, das aber eingegangen und mit der Stadt vereinigt iſt.
hetten mögen werden. Alß morgens mittwochs fru, ſo
baldt der tag anbrach, ließ der hertzog ſein trummet den
tag uffs beſt anbloſen, alßbaldt auch daruff ließ er daß
geſchutz in die thurn mauren und heuſer abgohn, daß
die gantz ſtatt erbidmet, daß einer den andern vor ſtaub
rauch und dampff kaum geſehen möcht.
11. [Rüſtung der Stadt Bretten.] Nuhn aber
der hochloblich ehurfürſt pfaltzgrave Philips het die ſtatt
dermaſſen mit geſchutz, pulver, pley und proviandt ver⸗—
ſehen, daß ſie daran kheinen mangel hetten, ließ ein
gemeine kuchin im ſtainhauß uffſchlagen, alda jederman
möchte ſpeiſung holen.
So waren die nochpaurn von Rincklingen, Didelß⸗
heim, Gelßhauſen, Sprantel * und Olbron hierinner
göhn Bretheim gefordert, dieſelben ſampt der burgerſchaft,
tag und nacht an paſteien, blinden greben, auch was
zu der wehr noth, fur und fur arbeiten. **
Zu dem wardt ein hauptman mit einem fenlein
landvolck auß dem obern reich von Ortemberg *** und
derſelbigen art hienein geſchickt; derſelbig hauptman war
ein ſchneider und wardt bey der herberg zum löwen
von einem gellſchuß an der gaſſen erſchoſſen.
Mehr ein hauptman Hans von Göppingen genant,
hett etwas mehr dan ein fenle knecht.
Mehr ein fenle knecht, deren hauptman hieß Albrecht
Schedel, die machten ein lerman, wie hernoch gehört
wurdt.
12. [Erpf Ulrich von Flehingen.] Es lagen
auch etlich edelleut in der ſtatt mit namen Erpff Ulrich
von Flehingen, der deßmolß in ſeiner bluenden jugent
war, ritt teglichs zu dem Saltzhover thor hienauß, dan
es bey tag ſelten verſchloſſen wardt, ſcharmutzelt mit
den ſeinden, zu dem hett er ein braun pferdt; deß
geſchicklichkeit und ernſt erkhant bey den feinden und
von iderman geprieſen daruff der edelman ſein ritterlich
und manlich gemuth zu viel malen bewiß, daß meniglich
verwundernus darab hett.
1¹ Handſchrift: daß.
* Spranthal ſüdwärts bei Bretten; die andern Dörfer liegen
zunächſt um die Stadt. Olbronn iſt wirtenbergiſch.
** Die Stadt Bretten begehrte und erhielt von dem Pfalzgra⸗
fen Philipp laut Urkunde vom 14. Auguſt 1497 die Erlaubniß,
ein Kapital von 200 Gulden aufzunehmen zu ihrem „notturftigen
buw an der ſtatt graben, muren und beveſtigung zu buwen“, wel⸗
ches Geld ſie in 6 Jahren heimzuzahlen verſprach. Pfälzer Cop.⸗
Buch Nr. 16. Bl. 288. 394. Dieſe Ausbeſſerung kam der Stadt
bei der Belagerung zu gut und die obengenannten Arbeiten waren
nur Erdbefeſtigungen vor der Stadt.
*ε Ortenberg bei Offenburg. Das obere Reich heißt ſo viel
wie Oberland und Elſaß.
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