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wölle die ſtatt nit aufgeben, wir wöllen all zueſamen
ſetzen, bey ainander ſterben und gneßen und kains wegs
vom hauß Oeſterreich abfallen. daruff erſtlich ain erſamer
rath zue der burgerſchaft geſchworen, nachmals die gantze
gemaindt zum erſamen rath, bey ainander zue bleiben,
leben und ſterben.
Daruff rüſt man ſich zue allem, was zur wehr und
notturft gehört.
[Weinsberg.] Darnach ' wurden die edelleüth,
ſo zue Weinſperg im zueſatz lagen, wider die bauren
verrathen, weil ſie in der kirchen waren. die bauren ka⸗
men in das ſtettlin, fiengen ir bey achzehen, jagten ſie
durch die ſpies, namlich Ludwig Helferich von Helfen⸗
ſtain, was der erſt. da muoßt ſein weib, ſo mit ainem
kind gieng und hat aines auf dem arm, zueſehen; und
ehe er drey ſchritt in die gaſſen khomen, ſtackhten ſchon
ob 100 ſpies in ihm. darnach Dietherich von Weyler
obervogt zue Barbar Wilſtain, ²* Hanns Conrat Schenckh
vou Winterſtetten, obervogt zue Fayhingen und Maul⸗
brunn, Dietherich von Weſterſtetten [Burgvogt zu Ynf⸗
fen *]!, Burgkhart von Ehingen, Philipp von Bernhau⸗
ßen, Ruodolf von Hyrn, Eberhart Sturmfelder, Hanns
Spät, Jerg von Ballenthal“ zue Marpach, Plickher von
Rixingen und all ir rayſigen; ſind allein diße vier darvon
khomen, Friderich von Newenhauſen, Jerg Wolf von
Newenhaußen, Ruodolf von Waldtershofen und Baſtion
von Ouw.
[Hans Müller.] Item am dunſtag vor Jubilate
(4. Mai) zog Conradt Negelin, Jacob Negelins vatter
vom bundt. als er gleich von Deyßlingen kam, * da
ward er von Hanns Miller gefangen und ſeinem haufen,
namen im zwen und fünfzig guldin, drey roß, hanckhten in
an ain baum, zogen von im. er griff nach ainem beymeſ⸗
ßer, ſchnitt den ſtrickh ab, kam mit dem leben darvon, bracht
man in uff ainem karren alher. und zog Hanns Miller
mit ſeinem haufen die hochſtraß von Schweningen herin
gehn Neydingen und Hiffingen und wo inen geluſt.
[Breisgau.] Uff des hailigen creütz erfindungs tag
(3. Mai) verbranten die bauren Thennenbach, darnach
in denſelbigen wochen Ettenamünſter, Schuttera und
Haydterßhaim. **
¹ ſtatt darnach, hat C. am oſtertag. ² Eine neuere Hand be⸗
merkt in C.: lege Bottwar und Beilſtein. Ich laſſe das Verderbniß
im Texte ſtehen, weil ich nicht weiß, welche Namensformen der
Chroniſt gebraucht hat. B. hat Weilſtain. 3³ Das Eingeſchloſſene
hat nur C., und dazu iſt von neuerer Hand bemerkt: 1. von Hohen⸗
neufen. ² L. Kaltenthal. C. 5⁶ L. Eltershofen. C.
* Deißlingen am Neckar bei Rotweil.
** Thennebach bei Emmendingen, Ettenheimmünſter, Schuttern
bei Offenburg, Heitersheim oberhalb Freiburg.
Villinger Chronik.
Margraf Ernſt von Baden ſambt 8 äbten gaben die
flucht gehn Freyburg ꝛc.
Deß tags ſchwuoren gaiſtlich und weltlich zue Frey⸗
burg zueſamen und begerten hilf von uns.
[Hans Müller.] Am freytag darnach (5. Mai)
zog Hanns Miller mit ſeinem haufen von Hiffingen gehn
Wuldterdingen, verbrandt Zindelſtain,“ morgens New⸗
fürſtenberg,“ fiengen den obervogt den Böhem, jagten
ihn durch die ſpies. waren beide ſchloſß graf Wilhelmen
von Fürſtenberg, der war domal ain hauptman bey dem
bundt. zugen die bauren darnach gehn Verenbach
und ſchickhten ainen botten mit briefen hieher, uns in
ir bruoderſchaft zu ermanen, ſampt iren artickelbriefen,
begerten mit und bey dißem botten von ainem rath und
gemaindt ſchriftliche antwurt. da legt man den botten,
der was von Verenbach, in das nider keffit, gab im
kain antwurt weder ſchriftlich noch mundtlich.
[Triberg. S. Georgen.] Morgens am zinſtag
(9. Mai) zugen ſie von Verenbach, namen Dreyberg ein.
an der mitwoch gewunnen ſie das ſchloſß, blindertens,
fiengen den obervogt Jerg Oderman, wolten in durch
die ſpies jagen, ward erpetten von den uß der Urach,
muoßt ſchweren inen zwayhundert guldin zue geben in
acht tagen, lieſßen in reiten, verpranten das ſchloſß. Zu⸗
gen darnach gehn Sant-Jergen, da zugen inen die muͤnch
entgegen und ſonſt ettliche darmit biß uff die Zummeraw.
hatt man inen vych geſchlagen und das nachtmahl zue⸗
gerüſt, ſchanckht der abt dem hauptman ain wagen mit
wein, ließ darnach inen ain gruoben ab, darin waren
300 karpfen, die fraſſen ſie im auch. und ſchickhten ain
botten alher mit ſchriften, der kam nachts umb zwelf uhr
an das thor. morgens am dunſtag (11. Mai) laß man
den brief, der gehört deß abts ſchreiber, der ſolt zue inen
khomen mit weib und khind, oder er wer in weltlichen
bann, oder ſie wolten im nemmen, was er hette. das
wolt er nit thun, plib alſo hie. da legt man den botten
ins ober keffit, und gaben im kain antwurt.
Darnach zogen des gottshauß underthonen alle gehn
Sant-Jergen und ſchwuoren den bauern, namen des abts
ſchreiber an vych, ſo er bey den bauren an gemainden
ſtehn,² bey 500 guldin werth; errettet der abt bey den
hauptleüten und provoſen das gottshauß, koſtet den abt
1 für gaben d. f. ſteht in C. nur: lagen. ² in gemainden hatt. B.
* Thalgemeinde und Burg an der Breg, weſtlich von Wolter⸗
dingen im Amt Donaueſchingen.
b Zerfallene Burg bei Hammereiſenbach an der Breg.
* Vöhrenbach, Städtchen im Bregthale.
² Sommerau, zerſtreute Häuſer zwiſchen St. Georgen und
Triberg.
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