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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/mone1863-3/0313
Reimchronik über Peter von Hagenbach.

hat Hagenbach bedracht!
und ſchickt nach dem rot?¹
und gebot inen? bey dem eid genot,
das ſy die uüberigen räten
morn bey einander hetten,
er wolt inen allen ſagen,
ſein herre wolt das ſchulteyßenamt* haben,
„und ſchicken eüch dazu,
und nemen das gelt morn fru, 10
er mag nit länger beiten,
den? mein herre will riten;
wend ir es aber nit gern thun,
ſo wils min herr doch han.“
Diße red beſchach by nacht,
Hagenbach aber bedacht
an der ſelben ſtett“?,
ouch mit dem burgermeiſter ret,
der do was von der gemein: **
„ich ſag das dir“ allein,
bis du“ auch doran“,
mein herr will das ampt han.“
Antwurt der burgermeiſter:
„gnediger, lieber herr,
an mir gantz nit ſtot?,
vil mee““ an dem rot!¹,
der würt antwuͤrt geben,
wie es eüch iſt eben.“
Aber der landvogt
fürbas redte'“ und tobt 30
mit dem burgermeiſter:
„fürwar mein gnediger herr
uberkumpt auch ein huß *, **
ob'“ ein jar kumpt“ uß.“
Der burgermeiſter antwurt geben hat:
„ich weiß kein huß!“ in der ſtatt,
do mein herr herin'“ iſt kon,
do iſt es im worden underthon.“

[t. 45. a. B.] 20

[f. 87. a. A.)]

Von den drei Rathsherren iſt derjenige mit dem kurzgeſchorenen
Haar, der öfters vorkommt, Porträt. Er trägt ein kurzes Röcklein.
Einer der drei Rathsherren in langem Talare hat einen hohen Hut
ohne Krempe auf.

¹ betracht, B. ²⁹ rath, B. ³⁹ und bott in, B. ⁴ dan, B. ⁸ ſtät, B.

⁶° dir, daß, B. biſtdu, B. 8 daran, B. *à nichts ſtath, B.
¹° mehr, B. ¹¹ rath, 8. ¹² redt, B. ¹³à hauß, B. ¹¹ ehe, B.
¹5 geht, B. ¹⁶ hauß, B. ¹ herein, B.

* S. oben S. 240.
** Breiſach hatte zwei Bürgermeiſter, einen adeligen und einen
bürgerlichen. S. oben S. 241 und unten Kap. 63, V. 32.
*** Damit meinte Hagenbach das Schloß von Breiſach.
Quellenſammlung. 111.

305

Hagenbach ſprach behendt:
„ich kom der ſach an ein endt.“ 40
Hagenbach was auch gefer!¹
demſelben burgermeiſter
und gedacht an etlich wort,
die er vorhin hett gehort
von dem melſſter der ſtatt,
do er in beſtebelt?“ hat. *
55. Wie Peter von Hagenbach nam den
burgermeiſter under ſein arm und rette
mit im volck des ſchloß halben zu Briſach.
[April 1469 und Ende Decembers 1473.**]
Uf“ ein zeit kam Hagenbach If. 8S. a. A.s f. 45. b. B.]
in die ſtatt“ von Briſach,
do er nit landtvogt was, **
und rette mit den raͤten das,
und ſunderbar mit eim,
den burgermeiſter allein.
Nam in under ſein arm,
macht dem burgermeiſter ſorgen warm.

„Ich ſprich uf mein eidt,
ſag mir ein warheit, 10
das ich dich fragen will,
es iſt dir nit zu vil.
Ich ſih das ſchloſß an,

was mag mein herr hie han,

gefehr, B. ² beſteblet, B. ³⁹ und redt mit im wegen deß
ſchloß, B. * fol. 87. b. enthält eine Zeichnung aus dem Originale
von 1480. Im Hintergrund ſieht man das Breiſacher Schloß vom
Burgweg aus, wie es oben S. 217 und 218 beſchrieben iſt. Beim
Anfang des Burgweges ſteht Hagenbach in langem, pelzverbräm⸗
tem Talare und dem Hute mit der Feder, er weist mit der Rech⸗
ten auf das Schloß, mit der Linken umfaßt er den Stehellin. Die⸗
fer tragt auch einen talarähnlichen Rock und hält in der Linken ſei⸗
nen Hut. Vor beiden ſpringen drei Hunde. ⁸ auff, B. ° die feſt
ſtatt Breyſach, B.
* Der bürgerliche Bürgermeiſter in Breiſach wurde vom Land⸗
vogt beſtäbelt, d. h. mit einem Stabe, der ihm überreicht wurde, in
ſein Amt eingeſetzt. S. S. 241.
** Wie aus Peter v. H.s Biographie (oben S. 267 unnd 268
in den Noten) bekannt iſt, kann dies nur vor dem 17. Aug. 1469,
d. h. in der Zeit geweſen ſein, wo Hagenbach zwar ſchon ſeit dem
10. April 1469 zum Landvogt ernannt, aber der Markgraf von
Rötteln noch Statthalter von Burgund im Sundgau war, welchen
er Ende Auguſt verließ, und nur Ende Novembers wieder kam. Ich
beſtimmte jedoch die Zeit noch näher, indem ich annahm, daß Pe⸗
ter von Hagenbach zwiſchen dem 10. April nnd 9. Mai, wo der
Vertrag von St. Omer unterzeichnet wurde, nach Breiſach kam,
um ſich zu erkundigen und das, bei Chmel monum. Habsburg. I.
S. 7 angeführte, Inſtrument (litera de oppido Brisacensi) aus⸗
fertigen zu können.
*** Siehe die vorhergehende Note.

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