http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/mone1863-3/0366
358
„lantvogt, ſeind wir uch' ſo unner?,
das wir von; unßer herberg ſolten rumen“
und die Walhen“ dorin loſßen kumen“,
es iſt auch nit groß' not,
und wer uns allen ein ſpott.“
Hagenbach redte fürbas mer:
„ſo weren ir all“ mein herr,
und ir ſollen fürhin* alle urlob““ han,
ſo ir das nit enwellen! thun, 30
das dann mein meinung iſt,
ſage ich eüch in kurtzer friſt.“
Der hauptman mit den edlen zwar
nomen's alle urlob gar,
Hagenbach in zorn erbran's,
ſprach: „ich will eüch für narren han.“
Antwurt im der houbtman;
„ſo hant“ ir torlich““ gethan,
das ir nemen zu hauptleüt,
die uch können's gerathen nit ¹*.“ 40
Der houptman urlob?“ hieſch,
Hagenbach in des erließ,
und in der ſelben ſtund
Hagenbach in den rüwen? kund,
und lag im die ſach ſchwer,
er bat fürbas den Cappler??,
das er ſein diener blib,
und ſich nit alſo von im ſchib,
der Cappler gab antwurt gedrot:
„er bedurft ſein zu herren nit genot?.4* 50
f. 177. a. A.)
[f. 96. a. B.]
121 °. Wie ſich herr Friderich Capler
und die anderen edlen ſich ** zuſamen
hielten und warnamen uf? die Walhen.
[7. April.]
Kappler und die edlen gar f. 178. a. A. 2 ]
wür euch, B. ² unnehr, B. 3³ auß, B. weichen. B
⁶ Walchen, B. ° laſſen eine ſchleichen, B.iſt nit große, B. ⁸ alle,
B. * vorhin, B. ¹ urlaub, B. ¹¹ nit bald wöllen, B. ¹⸗ ſag,
B. ¹²⁹ namen, B. ¹ urlaub, B. ¹² vor zorn bran, B. ¹⁰ habt, B.
torrecht, B. is euch kunden, B. ¹° rathen neit, B. *° urlaub,
. = rewen, B. ²² Kapler, b. ²3 er wer ſeiner nit zum herren
noth, B. ²² 112, B. ² ander, B. 2²° fehlt in B. ²7 und namen
fleißig acht auff, B. ²s fol. 177. b. enthält eine aus dem Origi⸗
* Von dieſem ganzen Vorgang ſagt Kappeler in ſeinem Briefe
vom 16. April nichts. Aus dieſem geht ſogar hervor, daß Kap⸗
peler noch am 10 April H.'s Hauptmann war, denn er ſagt, er
ſei mit den Edeln auf der Stube geweſen (beim Nachteſſen), als
H. am 10. Abends Generalmarſch ſchlagen ließ, und ſpricht im
ganzen Briefe in einer Weiſe, die keinen Zweifel zuläßt, daß er
noch aktiver Hauptmann am 10. und 11. April war.
Hiſtoriſche Gedichte.
namen ſich ſelber eben war
und hielten ſich in eim huß zuſamen,
ob Hagenbach etwas wolt fürnemen
mit dem welſchen heer,
ſo! wolten ſy? ſich ſetzen zu weer.
Do das die burger ſohen“,
ſy zu einander johen?:
„komen die edlen von hinnen,
wir möchten nit gut“ gewinnen.“ 10
Und wurden do zu rot
und begunden“ ze bitten die edlen genot,
ſy ſolten by inen pliben?
und die ſachen“ zum beſten ſchüben°,
als fromb landes leüt'n:
„ir ſehen zu dißer zeit,
das Hagenbach on not
uns all will haben todt.“
Die edlen by in bliben ¹3. *
Hagenbach begund“ fürbas triben¹⁵ 20
ſinen großen mutwillen, [f. 96. b. B.]
der im niemer was zu vilen“.
122. Wie Peter von Hagenbach uf den
heiligen karfrytag vil unfug treib' zu
Briſach“ mit beücken * und pfiffen²* und
wie man im uf den ſelben tag muſt meſß
haben im münſter ²?. [8. April 1474.]
Hagenbach in der karwuchen²² (f. 179. b. A. 24]
nale entlehnte Zeichnung. In einem kleinen geplatteten Zimmer
ſtehen fünf Adelige, welche durch die Haltung ihrer Hände ver⸗
rathen, daß ſie im ernſten Geſpräche begriffen ſind. Einer davon
hat denſelben Hut auf, wie derjenige fol. 176. a., den ich für Kap⸗
peler halte. Hier iſt auch die rothe Naſe durch Schraffirung ange⸗
deutet. Er trägt hier einen langen übergeworfenen Mantel. Neben
ihm ſteht wahrſcheinlich Vögelin, welcher den drei Uebrigen etwas zu
erklären ſcheint. Er hat lange Locken, aber nicht das häßliche Ge⸗
ſicht wie fol. 180. b. Sein Röckchen und ſein Hut iſt wie auf
fol. 176. a. gezeichnet, nur hat er hier ſtatt der Pfauenfeder eine
breite Feder auf dem Hute. Die drei übrigen Adeligen haben Hüte
und Mützen auf und kurze Röckchen an.
ſo ſo, B. Schrbf. für ſo ſie. ² fehlt in B. ³⁸ auch ſetzen,
B. ſahen, B. *jahen, B. nichts gutts, B. thäten, ohne
ze, B. ⁸ bleiben, B. ⁹ ſach, B. ¹° ſcheiben, B. ¹¹ frome landts⸗
leüt, B. ¹² alle, B. ¹⁸ bleiben, B. ¹ thät, B. ¹ treiben, B.
¹s den er nie gnug kundt erfillen, B.
¹o z. Br. fehlt in B. ² trummen, B. r pfeiffen, B. ²2 im
münſter fehlt in B. ²⁸3 karwochen, B. ² fol. 178. b. u. 179. a.
enthalten Zeichnunngen aus dem Originale. Auf der erſten ſieht
man im Inneren des Münſters einen gedeckten Altar, worauf zwei
¹7 113, B. ¹s trib, B.
* Was in dieſem Kapitel erzählt wird, gibt auch der Anfang
des Briefes Kappeler's an, jedoch viel genauer. S. Zuſätze.
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/mone1863-3/0366