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der Mitglieder des Prediger⸗Ordens. 11
tonius Senenſis auch angegeben. Der Titel: chronica or-
dinis fratrum Predicalorum, wie ihn Leo Allatius auf⸗
brachte, iſt dadurch gerechtfertigt, daß dieſes Werk die Ein⸗
leitung zu einer Ordeuschronik oder zu den einzelnen Klo⸗
ſterchroniken oder Annalen ſein ſollte. Dies wird dadurch
wahrſcheinlich, weil mehrere Abſchriften von Gerharts
Werk an ſehr verſchiedenen Orten ſich befanden. Antonius
Senenſis hat es in Neapel und anderwärts geleſen. Als
er ſeine Reiſen machte 1564—75, war obiger Codex noch
in Heidelberg, wo er ihn geſehen haben kann. Er hat aber
die früher in Heidelberg und jetzt in der Palatina befind⸗
liche Hſ. des Gerhart nicht benützt, denn er citirt eine
Stelle mit p. 24, 25, die in der Pfälzer Hſ. fol. 43 a.
ſteht. Der Neapolitaniſche Codex wird in dem Dominica⸗
nerkloſter bei der Kirche S. Domenico maggiore ſich be—
finden. Wahrſcheinlich beſitzt auch die Bibliothek des Do—
minicanerkloſters Maria ſopra Minerva in Rom eine Hf.
des fraler Gerhart, welche Antonius Seuenſis citirt haben
kann. Qusétif Scriptores ord. Pracdicatorum ſagt Bd. 1*
S. 37: er habe im Predigerkloſter s. Annumtiationis in
Paris zwei Hſſ. des Gerhart aus dem 13. Jahrhundert
benützt. Der Codex von Gerharts eigener Hand war früher
in Carcaſſonne. S. Quétif Bd. 1. S. 259. S. 260 ſagt
er, es exiſtiren innumeri codices dieſes Werkes, zwei im
Dominicanerkloſter St. Honoré in Paris, in der biblioth.
Colbert. Nr. 1556 und 2433 in der bihl. Victor. Nr.
237. Wenn auch die Verbreitung des Gerhart'ſchen Wer⸗
kes kein genügender Beweis iſt, daß es als officielle Ein⸗
leitung in die einzelnen Klöſter⸗ und Provinzial⸗Chroniken
von Humbert beſtimmt worden ſei, ſo iſt es doch faktiſch
eine ſolche Einleitung geworden.
Gerhart war der Zeit nach der erſte Geſchichtſchreiber
ſeines Ordens, und nach dem Geiſte ſeiner Auffaſſung
auch einer der begabteſten. Die Geſchichte des innern
Menſchen in ſeiner Beſtimmung zur Seeligkeit war der
Gegenſtand ſeines Werkes und die Wirkung deſſelben auf
die Schriftſteller ſeines Ordens war ein moraliſirender
Pragmatismus. Daher zeigen ſich dieſelben Grundzüge der
Anlage und Eintheilung in den Geſchichtswerken der Do⸗
minicaner über ihren Orden im 14. bis 18. Jahrhundert.
Die Adelshauſer Chronik der Anna von Munzingen von
1316 iſt auf ähnliche Art eingetheilt: Ihr erſter Abſchnitt
Enthält 36 Biographien, d. h. merkwürdige Begebenheiten
von 36 Frauen des Conventes und die Biographie eines
Mannes, des Stifters des Kloſters. Hierauf folgen als
zweiter Abſchnitt ſummariſche Erzählungen des Lebens in
Adelhauſen nach den Arten der Tugenden und Wunder,
z. B. eine Abtheilung handelt von den Prophezeiungen.
Dieſer zweite nichtbiographiſche Abſchnitt der Adelhauſer
Chronik der Anna von Munzingen beginnt bei Kap. 47
und handelt 1) von der Gnade Gottes, die er an den
Schweſtern zu Adelhauſen gethan hat, insbeſondere von
den Wundern der würdigen Kloſterfrauen (IV. 21 V. 9);
2) von dem Tode der rechten Minne zu Gott (IV. 17);
3) von den Viſionen beim Empfange des Abendmahls
(IV. 20); 4) von der Demuth der Kloſterfrauen in Adel⸗
hauſen (IV. 3); 5) von ihrer Barmherzigkeit gegen Kranke;
6) von der Uebung der vita activa cum Martha, und der
vita contemplativa cum Maria; 7) von der Uebung der
freiwilligen Armuth; 8) von der ſtrengen Beobachtung der
Ordensregeln und von dem Faſten (IV. 2); 9) von der
Liebe zum Gebete (IV. 5); 10) vom Wachen nach der
Mette; 11) von den Wundern im Schlaf und Erwachen
vor der Mette; 12) von den Prophezeiungen (V. 4). Man
erkeunt in dieſen Abtheilungen leicht wieder die tituli
quartae el quimtae partis des Gerhart von Frachet, weß⸗
halb oben die Titel des Gerhart neben beigeſetzt wurden.
Der dritte Theil enthält Predigten⸗Auszüge.
Anna von Munzingen hat Gerharts vitae fratrum ord.
Praedic. nicht gekannt, aber es iſt möglich, daß der dama⸗
lige (1316—24) Dominicaner⸗Prior in Freiburg oder der
Lesmeiſter Johannes von Haslach in Freiburg, welcher den
9. März 1314 ſtarb*, das Werk Gerharts kannten und
der Anna von Munzingen die Anlage ihrer Schrift nach
dieſem Muſter vorgeſchrieben haben.
Während des ganzen 14. Jahrhunderts hat man die
Lebensgeſchichten berühmter Zeitgenoſſen, die dem Orden
des hl. Dominicus angehörten, wie des Meiſter Eckhart,
Johannes Tauler, Peter von Lahr, Heinrich Suſo aufge⸗
zeichnet und geſammelt, wie die Schrift: liber de illustri-
bus viris ordinis frarrum Praedicatorum von 1466 be⸗
weist, die ein Dominicaner, Johannes, verfaßte, der ſein
Buch dem Prediger⸗Prior Johannes Cruͤtzer in Gebwiler im
Elſaß widmete**. Er theilte ſein Buch in ſechs Abſchnitte***.
Dieſer ſonſt unbekannte, wahrſcheinlich in Baſel lebende
Verfaſſer gibt aus Gerhart, ſo weit es Südteutſche be⸗
trifft, nur drei Biographien in Auszügen, nämlich über
Gualtherus, prior Argent. Conradus, prior Constanitiensis.
Waltherus, Basiliensis (Gerhart nennt ihn Gauterus).
* Quellenſ. 2 S. 156.
** Iſt im Auszuge im 2. Bde. der Quellenſammlung S. 156
flgde. gedruckt.
** oS Bruder Leander Albertus von Bologna, ein eifriger Ge⸗
ſchichtforſcher, ſchrieb auch ein Buch de viris illustribus fratrum
ordinis Praedicatorum (der Titel iſt dem obigen ſehr ähnlich),
das auch in 6 Theile oder Bücher getheilt iſt, und in Bologna
1517 im Drucke erſchien. Er ſchrieb auch ein chronioon von Bo⸗
logna. S. Antonius Senensis bibliotheca p. 164. Ich halte aber
beide Bücher gicht für ein und daſſelbe.
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