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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/mone1867-4/0140
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Sancta Maria canlare coepisset, sicut ipse postea secre-
tius quibusdam narravit, de codem allari in anteriori
parte ejusdem altaris lucem in modum lunaris sphaerae
paulatim crescere vidit. Nam sicut ille malutinos in lon-
gius canendo protraxit, ita etiam cadem lux in majus
crescendo se augmentavit, et postquam matutinos finierat,
ipsa etiam lux in modum plenae lunae excreverat. In
eadem vero luce viventem imaginem dei genitricis se
testabatur vidisse. —
Ita adnotavit p. Marquardus Hergott.

Dieſe Schrift des Bernhard Pez führt den Titel: Ve-
nerabilis Agnetis Blannbekin vita et revelaliones, ac-
cessit Pothonis, presbyteri et monachi Prunveningensis
(Prüflingen), liber de miraculis s. Mariage. Wien 1731
und obige Stelle ſteht p. 455. Es iſt aber dabei zu be⸗
merken, daß dieſes Kapitel, welches von dem St. Blaſi⸗
ſchen Mönche Markward handelt, nicht in dem urſprüng⸗
lichen Werke Potho's ſtand, denn es heißt p. 455 am
Schluſſe des 43. Kapitels: Hic finit codex monasterii s.
Crucis, caput sequens (44) ex codice saeculi XIII.
coenobii Ursinensis depromplum est. Der Mönch Potho
in Prüfling, welcher um 1152 lebte und hoch bejahrt den
liber de miraculis ſchrieb, hat alſo wahrſcheinlich den
liber constructionis gar nicht gekannt, denn in dem gan⸗
zen Buche kommt keine Stelle aus demſelben vor. Jenes
Kapitel 44 iſt daher ein Zuſatz von Pez oder einem Mönche
Arnold in Prüfling. Pez ſagt in der Vorrede, die Hſſ. des
liber de miraculis Mariae von Potho ſeien ſehr zahlreich
und fügt bei: der Mönch und ſpätere Abt Eberhard von
Prüfling nach 1150 habe dieſes Buch ſeinem Conventualen
Arnold empfohlen, daß er daſſelbe in beſſeres Latein bringe.
Arnold überarbeitete auch das Werk Pothos und ſchrieb
eine Schrift in vier Büchern: de miraculis s. Mariae,
malris domini, in welche er nur die 36 erſten Kapitel von
Pothos Werk in Dialogform umgewandelt hat. Vielleicht
rührt das obige Kapitel aus dem Werke des Mönches
Arnold von Prüfling her.
Eine Vergleichung der Stelle über Markward von Eß⸗
lingen mit Kap. 22 des 2. Buches S. 95 ergibt, daß der
Codex des coenobii Ursinensis?“ aus dem 13. Jahrhun⸗
dert die älteſte Redaction des iber constructionis enthält.
In folgenden Stellen hat vielleicht der zweite Verfaſſer
oder Ueberarbeiter den Text verändert:
— postea secretius quibus — postea eisdem, quibus
dam narravit, de — superiora narravit, re-
tulit de —
* Wahrſcheinlich ein Schreib⸗ oder Druckfehler für Unsinen-
sis, d. i. Ensdorf (Unzasdorf).

Der liber constructionis monaskerii ad s. Blasium.

— excreverat. In eadem — excreverat. Tunc igi-
vero luce — tur in eadem luce —
Ein Theil dieſer Abweichungen iſt nöthig geworden,
weil ſchon im Vorhergehenden von Markward von Eßlin⸗
gen die Rede war. Wie iſt aber dieſe Stelle aus dem liber
construclionis in den Codex des Kloſters Ensdorf gekom⸗
men? Von Ensdorf aus war es natürlich, daß der Mönch
Arnold in Prüfling den Ensdorfer Codex benützte, da Ens⸗
dorf von Prüfling nicht allzuſehr entfernt iſt. Man kann
über die obige Frage verſchiedene Vermuthungen aufſtellen.
Der Mönch Walchuno kann als poſtulirter Abt nach
Ensdorf von St. Blaſien eine Copie des liber construce-
tionis mitgebracht haben. Dagegen ſpricht freilich unter
Anderem auch der Umſtand, daß Ensdorf oder ein coeno-
bium Ursinense nicht in dem St. Blaſiſchen Confraterni⸗
täten⸗Verzeichniſſe von 1068—1190 ſteht, das aber de⸗
fect iſt. Siehe Bd. 3 S. 616.
Mit der Annahme, daß der codex Ursinensis gar nicht
den liber constructionis von St. Blaſien enthalten hat,
ſondern ein einfacher Epiſtolarcodex geweſen ſein kann, in
welchem zufällig ein Brief von St. Blaſien über den Mönch
Markward geſtanden habe, iſt es nicht unvereinbar, daß
ein Stück des liber constructionis von St. Blaſien in dem⸗
ſelben aufgenommen wurde. Man ſchrieb wahrſcheinlich die
Stelle aus dem liber constructionis in St. Blaſien wört⸗
lich ab und fügte dieſelbe einem Briefe nach Ensdorf bei,
als dort noch Walchuno Abt war, 1123—1136, wodurch
derſelbe in den Epiſtolarcodex des Kloſters eingetragen
wurde. In ſolche Bücher der Klöſter haben im 12. Jahr⸗
hundert auch Briefe Aufnahme gefunden, die nur reine
Privatſachen enthielten. So ſteht z. B. in dem Briefcodex
des Kloſters Reinhardsbrunn aus dem 12. Jahrhundert,
welchen Höfler im 5. Bande des Archivs für öſterreichiſche
Geſchichtsquellen S. 1—66 herausgegeben hat, S. 42
ep. 39 ein rein perſönlicher Brief an einen Mönch apud
Cellam s. Blasii. Es iſt zweifelhaft, ob das Kloſter St.
Blaſien im Schwarzwalde oder das in Braunſchweig ge⸗
meint ſei.
Herrgott oder Wülberz haben dieſe Spur über den
Verfaſſer des liber constructionis weiter verfolgt und dieſer
kam zu dem Reſultate, daß der Schreiber des Codex Ur-
sinensis des 13. Jahrhunderts Walchuno hieß und Abt
in dem Kloſter Ensdorf an der Vils im Landgerichte Am⸗
berg war. Wülberz ſchloß aber weiter, daß Walchuno auch
der erſte Verfaſſer des liber constructionis ſei. Darnach
hätte ein Mönch Namens Walchuno von St. Blaſien, der
in's Kloſter Ensdorf als Abt poſtulirt wurde, im 12. Jahr⸗
hundert den liber constructionis verfaßt und eine Abſchrift
davon nach Ensdorf mitgenommen. Das Kloſter Ensdorf


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