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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/mone1867-4/0141
Der liber constructionis monasterii ad s. Blasium.

iſt jetzt aufgehoben, die Handſchriften ſeiner Bibliothek aber
kamen theils in die Provincial⸗Bibliothek, theils in das
Provincial⸗Archiv in Amberg. In jener Bibliothek findet
ſich jetzt nur noch ein junger Codex über die Geſchichte
von Ensdorf.
Ueber den „Walchuno und die ihn begleitenden
St. Blaſiſchen Mönche iſt aus dem codex traditionum
monasterii Ensdorf, (gedruckt bei Freyberg, Sammlung
hiſtoriſcher Schriften und Urkunden Bd. 2 S. 169 flgde.)
bekannt, daß er 1123 als der erſte Abt mit einigen. Reli⸗
gioſen (cum nonnuliis religiosis fratribus) vom Kloſter
St. Blaſien (de religioso claustro s. Blasii) nach Ensdorf
gekommen iſt. Das chronicon Ensdorffense von Jacob
Parfueß, bei Oefele rerum Boicarum scriptores I. p. 582
nennt Walchuno den „aller vernunftigſt Prelat Walckinus.“
Er gab um 1136 die Abtei auf, um Gott mehr dienen
zu können. Das nicon-Ensdorffense a. a. O. p. 583
nennt ihn Walckimus und ſagt von ihm, er habe 13 Jahre
löblich regiert und ſei ein heiliger und wohlgelehrter Mann
geweſen. In daſſelbe Jahr ſeiner Reſignation 1136 ſetzt
obige Chronik auch ſeinen Tod in Ensdorf und gibt den
Ort ſeiner Beiſetzung in der Kirche daſelbſt an. Sein
Nachfolger Dietwin, aus dem Kloſter Münchberg bei Bam⸗
berg Pöſtülirt, iſt nach Parfueß auch von der Obſervanz
von St. Blaſien geweſen. Das iſt wohl ſo zu verſtehen,
Dietwin kam mit Walchuno 1123 von St. Blaſien nach
Ensdorf, wurde von da vor 1136 als Abt nach Kloſter
Münchberg bei Bamberg poſtulirt und von da 1136 nach
Ensdorf als Abt erbeten. Er reiſte 1142 nach Rom und
ſtarb 1144.
Es iſt auch nicht einmal wahrſcheinlich zu machen, daß
Walchuno den liber constructionis verfaßt habe, da z. B.
ſchon der frühe Tod deſſelben 1136 mit der Zeit Iring's
(1189), der im liber constructionis vorkommt, ſich nicht
vereinigen läßt. Auch die Annahme, daß Dietwin den liber
constructionis verfaßt habe, iſt unhaltbar. Vielmehr be⸗
ſtärkt der Ensdorfer codex traditionum die oben ausge⸗
ſprochene Annahme, daß nur durch einen Brief von St.
Blaſien jene Stelle über Marquard von Eßlingen in den
codex Ursinensis gekommen iſt,

Ueber die Zeit der erſten Abfaſſung des liber con-
structionis kann kein Zweifel ſein. Derſelbe wurde im
Anfange und Ende des 12. Juhrhunderts, vielleicht noch
einzelne Theile am Anfange des 13. verfaßt. Das erſte
und ein großer Theil. des-zweiten-Buches ſind, wie man
aus der Schreibart ſchließen muß, in der erſten Hä
12. Jahrhunderts abgefaßt worden. Es finden ſich näm⸗
—ich Kärin dieſelbe Häufung von Bibelſtellen, wie ſie im

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11. und im Anfange des 12. Jahrhunderts üblich war, und
welche man ſogar in den Briefen jener Zeit antrifft.
So räthſelhaft auch dieſe Schrift wegen ihrer Form,
ihres Inhaltes und ihres älteſten anonymen Verfaſſers
erſcheinen mag und bisher ſchien, ſo ſteht ſie doch in der
mittelalterlichen Geſchichts-Literatur nicht vereinzelt da.
Was die Form betrifft, ſo hat der liber constructionis in
ſeiner erſten Anlage viele Aehnlichkeit mit einem chrono⸗
logiſch angelegten codex traditionum; was ſeinen myſti⸗
eiſtiſchen Inhalt anbelangt, ſo gab es auch gleichzeitige
Werke dieſer Richtung, endlich läßt ſich die Anonymität
des Verfaſſers auf eine ſo natürliche Weiſe erklären,
daß auch hier alles Räthſelhafte ſchwindet.
Bei der Annahme, daß der liber constructionis in
ſeiner erſten Anlage ein im Inhalte und theilweiſe ſogar
in der Form poetiſch geſtalteter codex traditionum ſei,
erklärt ſich nicht nur der Name auf eine einfache Weiſe,
ſondern man findet auch ſeine Eintheilung und die Reihen⸗
folge gerechtfertigt. Wie oben S. 77 angegeben, folgen
auf den Abſchnitt de fundatore die Kapitel über den
erſten Abt und neben den Aebten die Schenkungen der
Kreuzpartikel, die Errichtung oder Bewidmung der Elen⸗
den Herberge, die Gründung von Berau und anderer von
St. Blaſien abhängiger Klöſter und Expoſituren. Bei
den eingeſchalteten Lebensbeſchreibungen iſt zwar nur ſel⸗
ten die Schenkung des Betreffenden an St. Blaſien an⸗
gegeben, aber es iſt ſehr wahrſcheinlich, daß die Mehrzahl
der genannten adeligen Converſen und Mönche Schenkun⸗
gen an das Kloſter gemacht haben. Der liber construc-
tionis legte aber auf die Schenkungen, d. h. auf das
Materielle weniger Werth als auf die myſtieiſtiſchen Er⸗
ſcheinungen bei den frommen Stiftern und Donatoren.
Es iſt von St. Blaſien noch ein Fragment eines
chronologiſchen codex tradiltionum, welchen der Abt Ber⸗
thold II. durch ſeinen Schreiber von 1294— 1308 führen
ließ, vorhanden. Daſſelbe ſteht in den Analecta von
Wülberg tom. IJ. p. 201 — 204. Es iſt freilich nicht in
der Richtung des liber constructionis verfaßt und wurde
deshalb auch nicht als Fortſetzung deſſelben betrachtet, was
es doch ſeinem Weſen nach eigentlich iſt.
Vereinzelt ſteht, wie oben bemerkt, der lib. constr.
in jener Zeit nicht in der teutſchen Literatur. Etwas älter
ches Othlo. S. Pez thes. anccdot. III. 2 Finleitung.
Faſt gleichzeitig (1147—1156) iſt das Werk des Mön⸗
ches Johannes im St. Laurentius⸗Kloſter bei Brüſſel,
von welchem ebenfalls Pez anecdota tom. IV. pars III.
prolegomena p. XVI. XVII. handelt.

Die Anonymität des erſten Verfaſſers des liber con-
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