Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/mone1867-4/0146
144

zweite Blatt der Hſ., welches über die Widerſprüche der Aebte
nach Hertwig Aufſchluß gegeben hat. Die Hand iſt ſehr
deutlich und hat mit der Schrift von Kremers Chronik in
Stuttgart eine ſo große Aehnlichkeit, daß wohl beide Hand⸗
ſchriften von demſelben Schreiber herrühren. Schon aus
dieſem Umſtande dürfte man Bartholomäus Kremer als
Verfaſſer der Abtsreihe annehmen. Dazu kommt noch der
weitere Grund, daß die Abtsreihe und Annalen von Kre⸗
mer für ſeine Chronik von Schönthal benutzt wurden, und
daß er derſelben oft wörtlich, wie die Anmerkungen bewei⸗
ſen, gefolgt iſt.
Die Abtsreihe Kremer's hat aus zwei Gründen eine
größere Bedeutung, als ſein chronicon und die jüngeren
handſchriftlichen Quellen über Schönthal. Einmal iſt ſie
die älteſte bekannte Aufzeichnung der Abtsreihe und Ge⸗
ſchichte des Kloſters, denn das chronicon ſchrieb Kremer
viel ſpäter. Sodann nennt er in der series abbatum et
memorabilia ſeine Quellen. Außer den Urkunden (litterae),
die er oft benützt und pag. 19 ausdrücklich als ſeine Quelle
anführt, lernt man aus dieſer Schrift noch folgende ältere
Schönthaler Berichte kennen, nämlich pag. 19 den antiquus
catalogus abbatum und den liber capitularis, in dem auch
die Todestage der Aebte angegeben waren, ſo wie ein Tage⸗
buch des Abtes Sebaſtian 1495—1584, welches dieſer in
ſein Brevier geſchrieben hatte. S. pag. 68. Kap. 10 gibt
er als ſeine Quelle an: ein Miſſale des Frauenkloſters
Gnadenthal ord. s. Bernh., in welchem hiſtoriſche Notizen
aus dem 13. Jahrh. ſtanden. Kap. 9 citirt Kremer unge⸗
fähr zum Jahre 1240 einen antiquus catalogus abbalum.
Vielleicht iſt dies der liber capilularis.
Zwei Gattungen von Quellen hat Kremer in ſeinen
beiden Werken nicht gekannt, nämlich die Ordensſachen,
z. B. die capitula generalia, provincialia, die Viſitations⸗
protocolle und die Reiſeberichte. Ferner waren ihm ganz
unbekannt die päpſtlichen Schreiben, welche perſönlich an
die Schönthaler Aebte in ihrer Eigenſchaft als execulores
gerichtet waren. Dieſe letzteren Breven ſind ſelten aufbe⸗
wahrt worden, da ſie perſönlich an die Aebte gerichtet waren
und nicht in die Kloſter⸗Archive kamen.
Kremer ſchrieb ein gutes Latein und war in der claſ—
ſiſchen Literatur gebildet und hat in ſeinem Stile den Ta⸗
citus nachgeahmt, deſſen Kürze und das Weglaſſen des
Hilfszeitwortes esse ſehr an das Taciteiſche Latein erin⸗
nert. Er ließ aber auch andere Zeitwörter aus, z. B.
concessit.

Series abbatum et memorabilia.

1. ſpag. 1/ Hertwicus I. abbas. Anno domini
1157 cum viro religioso Wolfframo, barone de Beben-

Lebensbeſchreibungen der Aebte von Schönthal.

burg“, fundatore converso et aliis quibusdam fratribus
a Maulbrunnense coenobio“ iam ante vocatis, ex mo-
nasterio suo Neuwesehe“, Herbipolim adeunt, ubi tunc
invictissimus Romanorum imperator et dux Sueviae Fri-
dericus, dictus Barbarossa, morabatur; eidemque clau-
strum noviter a se exstrucilum obtulerunt, rogantes, ut
in suam et imperii tutelam susciperet: quod et fac-
tum est anno regni eius quinto, imperii vero secundo
foeliciter. pag. 27 Gebehardus, dei gratia Wirtzeburgen-
sium episcopus, confirmavit fundationem regnante Romano-
rum imperatore Friderico regni 6, imperii 3, Bertholdo
existente urbano comile . Heinricus, episcopus Wirtze-
burgensis, idem praestat regnante Friderico regni eius 11
imperii 8⁴°. Contulit fundator monasterio Neùsehe“, cur-
tes: Hallesbergs, Brechelberg¹, Steinei, cum omnibus

a Ueber die Familie des Wolfram von Bebenburg ſiehe Fromm,
Beſchreibung des O.⸗Amts Gerabronn S. 198 und Stälin wirtenb.
Geſch. 2 S. 534. wirtenb. Jahrbücher 1848, 1. Heft, Aufſatz von
H. Bauer und Zeitſchr. des Vereins f. wirtenb. Franken, Bd. 1,
Heft 4. S. 110.
db Stülin, wirtenb. Geſch. Bd. 2 S. 718 ſagt, nach ſehr alter
Tradition ſeien die erſten Mönche von Maulbronu nach Schön⸗
thal gekommen. Manrique, annales ord. Cisberciensis II. p. 302
ſagt: anno 1157 fundata est abbatia Speciosae Vallis — und
ferner: eandem Morimundi lineam augent Vildehusen et Spe-
ciosa Vallis — Speciosam Vallem in Ostrofrancis prope Melck-
mul, coenobium potentissimum, inter filias Mulbruni video a
Gasparo Bruschio commemorari, consentientibus Ta-
bulis, quae tamen praetermitkunt episcopatum. Die tabulae
Cistercienses, welche in das hieſige Archiv von Salem kamen,
enthalten über Schönthal: mater primitus Mulbrunna nunc Cae-
sarea. Die Karlsruher tabulae Cisterciens. beruhen auf Abſchrif⸗
ten aus den tabulae von Citeaux. Das Generalcapitel von 1282
beſtimmte im Art. 11 quod paternitas Speciosae Vallis ad ab-
batem de Caesarea, qui omnia debita dictae domus solvit,
(Schönthal war alſo 1282 überſchuldet), pertineat pleno jure, et
hoc fiat de patris abbatis primi consilio et consensu, et anno
sequenti deferant litteras de consensu conventus matris domus
(Maulbronn) capitulo generali. S. Martène et Durand, thes.
anecdot. IV. p. 1482. Ueber die paternitas von Schönthal ſiehe
unten bei Abt Thomas 1282 die Anmerkung, nach welcher das
jus visitationis in Schönthal nur Lützel, Neuburg und Maul⸗
bronn hatten.
* Der Ort, wo das Kloſter erbaut wurde, hieß Neuſaß. Der
Verfaſſer ſcheint das Original der Urkunde vor ſich gehabt zu ha⸗
ben, worin Neuweseze ſtand (ſ. wirtenb. Urkdenb. 2. S. 108).
Das 2 las er für h, weil 2 im 12. Jahrh. eine dem h ähnliche
Form hatte.
¹ Dieſe letzten Worte ſind aus der Urkunde ſelbſt entlehnt.
S. wirtenb. Urkdenb. 2. S. 115. Die Urkde. iſt von 1157. Urba-
nus comes iſt der Burggraf von Wirzburg (Poppo von Henneberg).
* Im Original der Urkde. 1163 ſteht regni eius XI. imperii
vero IX. S. wirtenb. Urkdenb. 2. S. 146.Das iſt Neuſaß. s Hals⸗
berg O.⸗A. Künzelsau. ¹Abgegangener Hof unweit Schönthal. Hof
am Stein, jetzt beim ſteinernen Kreuze. Wirtenb. Urkdenb. 2. S. 109.


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/mone1867-4/0146