Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., F 6339-16
Moriz-Eichborn, Kurt
Der Skulpturencyclus in der Vorhalle des Freiburger Münsters und seine Stellung in der Plastik des Oberrheins
Straßburg
Seite: 83
(PDF, 87 MB)
Bibliographische Information
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Freiburg und der Oberrhein

  (z. B.: IV, 145, xii)



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ſ

der bedeutendere, wir zögern nicht, ihn über den gefeierten Alt-
meister der toskanischen Plastik zu stellen.¹⁸7
Das zweite erhaltene Relief des Portales, die Krönung Marias,
wirkt jener Meisterschöpfung gegenüber wie eine Schülerarbeit;
Auffassung und Durchführung sind handwerksmässiger und ver-
raten schon in der ganzen Art der flachen und harten Behand-
lung eine untergeordnete Hand.
Den beiden zuletzt genannten Werken haben wir ein Stein-
relief mit einer Darstellung des ungläubigen Thomas aus der
Thomaskirche in Strassburg anzureihen. Es enthält vier Figuren:
in der Mitte Christus und Thomas, der seine rechte Hand in das
Wundenmal des Herrn legt, rechts einen älteren bärtigen Mann
und links einen bartlosen Jüngling; die beiden letzten Gestalten
sitzen je auf einer Bank. Das Ganze ist rundbogig geschlossen
und hat offenbar ursprünglich als Tympanon eines romanischen
Portales gedient.¹ö8 Dieses wenig beachtete Relief ist ganz im
Stile des Meisters der Grablegung Marias gearbeitet, steht aber
in der etwas harten Gewandbehandlung dem Verfertiger der
Krönung Marias näher; es hält gleichsam die Mitte zwischen die-
sen beiden Werken und ist zweifellos zur gleichen Zeit wie sie
entstanden.
Dasselbe gilt unserer Ansicht nach auch von einigen Figuren,
die zu dem ehemaligen, 1682 abgebrochenen. Lettner des Mün-
sters gehörten, jetzt aber teils an verschiedenen Punkten des Baues
aufgestellt sind, teils sich in der Sammlung des Frauenhauses be-
finden. Die Entstehungszeit des Lettners und seines plastischen
Dekors bildet noch immer eine umstrittene Frage, obwohl wir
über sein einstmaliges Aussehen gut genug unterrichtet sind, er-
stens durch einen grossen Kupferstich von J. Brunn aus dem
Jahre 1630, der das Innere des Münsters wiedergiebt, und zwei-
tens durch zwei kleine, unbezeichnete und undatierte Kupferstiche,
welche ihn allein in Vorder- und Seitenansicht zeigen.¹³ Die
letzteren sind, wie ein Vergleich mit den erhaltenen Figuren
(zwei männlichen und einer weiblichen) lehrt, allerdings nicht
zu genau, aber ihre allgemeine Richtigkeit. Quf die es uns hier
allein ankommt, ist durch die Uebereinstimmung, welche sie in
allen wesentlichen Teilen mit dem grossen Stiche Brunns aufwei-
sen, vollständig verbürgt.¹¹ Wir vermögen uns also, wenigstens


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