http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/moriz-eichborn1899/0103
Nachricht zu belegen ist. Im Gegenteil, wir wissen von einer
Anzahl Altäre, die mit dem Lettner fest in Verbindung standen,
und deren urkundlich bekanntes Alter zum Teil direkt auf eine
Entstehung desselben in vorerwinischer Zeit hinweist. ¹⁴½ Was
uns aber volle Gewissheit giebt, den Lettner mit Recht vor 1250
anzusetzen, ist der architektonische Aufbau desselben. Denn
schon ein flüchtiger Blick lässt uns mit aller Be-
stimmtheit in ihm das unmittelbare Vorbild der
Blendarkadenreihe der Freiburger Vorhalle er-
kennen. Die durchaus gleiche Weise, in der hier wie dort
zwischen den Bogen auf völlig übereinstimmenden Sockeln von
Baldachinen bekrönte Statuen angeordnet sind, lässt jeden Zwei-
fel verstummen. Wir stehen vor einer unleugbaren Thatsache
und erhalten damit zugleich auch bereits einen sehr beachtens-
werten Fingerzeig über die Genesis eines wichtigen Teiles des
Freiburger Cyklus. Denn dass wir nicht das umgekehrte Ver-
hältnis anzunehmen haben, beweist die weit entwickeltere Formen-
sprache der Freiburger Arkaden. Man vergleiche nur einmal
die Art der Krabbenbildung hier und dort: in Strassburg treffen
wir auf äusserst einfache noch geometrische Formen und keiner-
lei naturalistische Laubbildung,'⁴ während diese in Freiburg fast
ausschliesslich vorherrscht. Die wenigen strengeren Gebilde,
welche sich hier finden, zeigen nur, wie nahe sich diese beiden
Werke berühren, und wie direkt man in Freiburg an das Strass-
burger Vorbild angeknüpft hat. Die Kreuzblumen, welche die
Spitzen der Wimperge verzieren, sind in Strassburg eben so ein-
fach wie die Krabbenbesetzung gehalten und verraten ein früheres
Entwicklungsstadium des gotischen Stiles als die entsprechenden
Stücke in Freiburg. Ein weiteres Kriterium für die Entstehung des
Lettners in frühgotischer Zeit bilden dann die Basen der zu viert
angeordneten Säulchen. Denn sie zeigen noch nicht die breite,
tellerförmige Form, welche für die reifere Gotik so ungemein
charakteristisch und in Freiburg bereits zur Verwendung gekom-
men ist; auch laden sie nicht über den Sockel aus, dessen vier-
eckige Bildung gleichfalls auf die erste Halfte des XIII. Jahrhun-
derts hinweist, da er sonst wohl wie in Freiburg die dem ent-
wickelten Stile eigene Achteckform zeigen würde. Die Bogen
sind, wenn nicht mit Nasen- oder reicherem Masswerk versehen,
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/moriz-eichborn1899/0103