Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., F 6339-16
Moriz-Eichborn, Kurt
Der Skulpturencyclus in der Vorhalle des Freiburger Münsters und seine Stellung in der Plastik des Oberrheins
Straßburg
Seite: 103
(PDF, 87 MB)
Bibliographische Information
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Freiburg und der Oberrhein

  (z. B.: IV, 145, xii)



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halb desselben jede Freiheit der Bewegung ermöglicht und ge-
stattet. Nichts vermag uns dies besser zu zeigen als die Gestalt
des knieenden Königs zunächst der Madonna des Thürpfeilers. Sie
ist durchaus ungezwungen und frei gegeben und stört trotzdem
die aufstrebende Tendenz der Laibungsbogen und Wände nicht
im geringsten. Denn dieser letzteren entspricht wieder vollkom-
men die schräg über dem Könige herabfliegende Engelfigur mit
dem Stern in der Hand, deren Kontur eine aufsteigende Linie
ergiebt. Den Uebergang vom König zu ihr aber vermitteln in
einfachster Weise die aufwärtsgehobenen Hände des ersteren.
So springt die Bewegung ununterbrochen und in steter Verfolg-
ung der von den grossen Laibungsbogen angegebenen Richtung
von der einen Figur auf die andere über. Andererseits aber ist
die Gestalt des Engels wie die des Königs auch ein plastisches
Werk, das ebenso gut für sich allein bestehen kann und dadurch
seine Unabhängigkeit von der Architektur auf das deutlichste
erweist.¹2 Dem Bestreben, dieses Verhältnis überall klar zum
Ausdruck zu bringen, haben wir es auch, wie schon hervorge-
hoben, mit zu danken, dass uns die Gestalten der Archivolten
nie Halbfiguren oder andere verkürzte Bildungen, wie sie so häu-
fig an den französischen Kathedralen vorkommen, sondern stets
ganze Erscheinungen vor Augen führen. Dort ist die Plastik
zum Teil bereits ein rein dekoratives Element geworden, hier
ist sie noch einmal eine unabhängig schaffende, selbständige Kunst
geblieben, welche die ihr eigenen und für sie allein massgeblichen
Gestaltungsprinzipien nicht ausser Acht lässt.
Der Architekt und der Bildhauer haben in Freiburg, unter-
stützt durch die Arbeitsmethode „avant la pose“, in einer selten
vollendeten Harmonie künstlerischen Wollens und Könnens zu-
sammen gewirkt und geschaffen. „Gerade diese Verbindung von
Mannigfaltigkeit im Einzelnen mit Gesetzmässigkeit und Ruhe im
grossen und ganzen ist es, die diese mittelalterlichen Schöpfungen
so anziehend macht; die Stilgedanken des Mittelalters Kommen
unmittelbar und in klassischer Strenge in ihnen zur Aussprache,
aber es spiegelt sich in ihnen zugleich das mittelalterliche Leben!
Das Neben- und Durcheinander der zusammenarbeitenden Kräfte,
die Art und Weise, wie man zu Werke ging — das alles hat
sich hier getreulich abgedrückt und niedergeschlagen.“178 Die

SSS s


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