Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., F 6339-16
Moriz-Eichborn, Kurt
Der Skulpturencyclus in der Vorhalle des Freiburger Münsters und seine Stellung in der Plastik des Oberrheins
Straßburg
Seite: 303
(PDF, 87 MB)
Bibliographische Information
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Freiburg und der Oberrhein

  (z. B.: IV, 145, xii)



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Falle brauchten wir nach einer Ursache nicht erst weit zu suchen.
Das Erdbeben vom 18. Oktober 1356 würde uns diesen Verlust
ebenso gut erklären können, wie wir seinen verderblichen Folgen
wohl den Umstand zuzuschreiben haben dürfen, dass uns nur spär-
liche Reste von dem Statuenschmuck der äusseren Vorhalle
erhalten sind.
Denn wie können wir es uns sonst erklären, dass sich zwei
Köpfe, die mit den erhaltenen Teilen desselben auf das engste
zusammenhängen, an verschiedenen Orten und in verstümmeltem
Zustande gefunden haben? Nehmen wir aber an, die äussere
Vorhalle seidurch jenes Ereignis besonders hart betroffen worden
und habe durch dasselbe einen Teil ihres plastischen Schmuckes
verloren, so erklärt sich das übrige von selbst. Die Reste der
zertrümmerten Statuen werden einfach als unbrauchbar beseitigt,
das eine oder andere Stück derselben aber einem Liebhaber in
die Hände gefallen sein, der es des Aufhebens oder weiterer
Benutzung für wert erachtete und dadurch einer späteren Zeit
erhielt. Die Vorhalle selbst aber wird so stark gelitten haben,
dass man bei den Ausgaben, welche die Restauration ohnehin erfor-
dert haben wird, eine Wiederherstellung derselben für zu kostspielig
hielt und sie lieber gleich ganz abbrach. Für die nicht mit ver-
nichteten Statuen musste nun aber Platz geschaffen werden, und
so wird man ihnen damals schon aus den Pfeilerresten der Vor-
halle die Postamente zurecht gemacht haben, auf denen sie noch
heute stehen.
Wenn wir uns ungefähr in dieser Weise den Verlauf denken,
gewinnen wir auch einen guten Grund für die Heftigkeit der
Klagen über die Grösse des von dem Erdbeben angerichteten
Schadens. Ohne unsere Annahme nämlich, die äussere Vorhalle
als Opfer der Erschütterung zu betrachten, lässt sich allerdings,
wie Stehlin mit Recht des näheren ausführt, 3²* garnicht ein-
sehen, warum man so gejammert hat. Denn die sicher nachweis-
baren Schädigungen, welche dieselbe an hervorragenderen Bauteilen
angerichtet hat, sind nicht von so ausserordentlich grosser Be-
deutung. Legen wir zu ihnen aber noch die ganze äussere Vorhalle
in die Wagschale, so gewinnt die Sachlage freilich sofort ein andres
Aussehen, und die kläglichen Aeusserungen über die schädlichen
Folgen des Erdbebens werden uns weit verständlicher als bisher. —


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