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drale zu suchen sind, also an dem Baue, der auch in architektonischer
Hinsicht für Wimpfen von vorbildlicher Bedeutung geworden ist. Die
schöne Madonnenstatue des Chores (Fig. 141 bei Schäfer, a. a. O.) scheint
uns wenigstens in ihrer Bewegung und Gewandung nicht unbeeinflusst
von der Berrlichen Madonnenfigur am nördlichen Pariser Querschiff-
portal, und die Gestalt eines Engels aus dem Kapitelsaal in Wimpfen
(Fig. 144 bei Schäfer) erinnert uns in mancher Hinsicht, ebenso wie
auch die vorerwähnte Madonnenstatue, an einige Gestalten des Tympanon
vom südlichen Pariser Portale. Eine genaue Untersuchung dieser Be-
ziehungen der deutschen zur französischen Kunst wäre in dem einen
wie in dem andern Falle sehr erwünscht.
²35 Seine allerhöchste Vollendung aber erfährt das Dramatische
dann, nachdem es in der Litteratur bereits verschiedene grösste Ver-
treter gefunden, durch das geniale, zusammenfassende Schaffen Richard
Wagners in der Schöpfung des deutschen Musikdramas.
236 Mehr durch das Wort freilich als durch die Schrift. Ausser
einem vorzüglichen, mit Marcou zusammen verfassten Kataloge der im
Trocadéro vereinigten Gipsabgüsse von französischen Skulpturen des
XIV. und XV. Jahrhunderts und einigen Aufsätzen hat er uns († 1896)
leider nichts Schriftliches hinterlassen, und so kann man sich nur ein
ungefähres Bild von dem machen, was seine Vorlesungen über die
französische Plastik, die er seit 1887 an der Ecole du Louvre gehalten
hat, und in denen er, wie André Michel in seinem Nachruf (Gazette
des Beaux-Arts, 3e période, t. 16, p. 203 ff.) sagt, den vorwiegenden
Einfluss du réalisme franco-flamand dans le rajeunissement et la trans-
tormation de l'art européen au XIVe et au XVe siécles nachzuweisen
bemüht war, geboten haben mögen. Wir werden Gelegenheit nehmen,
den einen und andern von seinen Aufsätzen zu citieren.
237 Siehe hierüber und über die allmähliche Vorbereitung der
deutschen Gotik auf die Renaissance Dohme, Geschichte der deutschen
Baukunst, p. 177 und 207 f.
²38 Kurz hinweisen möchte ich hier nur darauf, dass wir eine sehr
ähnliche Entwicklung wie in der Plastik auch in der Litteratur heo-
bachten können, d. h. einen vorzeitigen Verfall der Dichtung und einen
Uebergang derselben in handwerkliche Kreise: an die Stelle des Minne-
gesangs tritt der Meistergesang und znur im-Volksliede weht ein Hauch
von Walthers Poesier. Daher lässt sich dieses letztere vielleicht auch
bis zu einem gewissen Grade mit der Federillustration dieser Zeit ver-
gleichen, auf die wir später zu sprechen kommen werden (S. 174 f.).
Ueber den Verfall der mittelhochdeutschen Dichtung, mit deren ge-
waltigen Erzeugnissen nicht mit Unrecht oft genug die Hauptwerke
der deutschen Bildnerei des XIII. Jahrhunderts verglichen worden sind,
siehe Scherer, Geschichte der deutschen Litteratur (1891), p. 230 ff.
und im Text S. 228 f.).
239 Annalen oder Tag- und Jahreshefte 1815.
240 Den Anschauungen, welche Schnaase über den Einfluss
der Mystik auf die Kunst entwickelt, vermögen wir uns nicht ganz
anzuschliessen. Dass die letztere, besonders die Malerei, teilweise
deutlich mystische Einwirkungen erkennen lässt, steht freilich ausser
Frage, ob aàber die Mystik wirklich die Kunst und zwar sowohl die
Malerei wie die Plastik durch ihren Hinweis sauf das Individuelle
und das Geheimnis des psychischen Lebens in der physischen Existenz-
näher an die Realität herangeführt hat, wie Schnaase (Geschichte
der bildenden Künste VI?², p. 46) meint, erscheint uns zum mindesten
zweifelhaft. Finden sich doch die Anfänge dieser realistischen Kunst,
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