Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., F 6339-16
Moriz-Eichborn, Kurt
Der Skulpturencyclus in der Vorhalle des Freiburger Münsters und seine Stellung in der Plastik des Oberrheins
Straßburg
Seite: 403
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Bibliographische Information
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Freiburg und der Oberrhein

  (z. B.: IV, 145, xii)



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gegebenen Attributionen vermögen wir allerdings nicht immer zuzu-
stimmen. Jedenfalls lässt sich auch auf diesem Gebiete aus den uns
genannten Künstlernamen erkennen, wie sich die Kunstgeschichte all-
mählich in Künstlergeschichte auflöst. Und weiterhin können wir
hier bereits z. B. an der Malouel zugeschriebenen Pieta im Louvre in
gleicher Weise wie später am Genter Altar erkennen, dass die nieder-
ländische Malerei, wenigstens teilweise, aus der Miniaturmalerei heraus-
wächst.
27s Diese Vermischung von giottesker und flandrischer Kunst
finden wir auch noch auf anderen Werken dieser Zeit. Siehe Cham-
peaux a. a. O. p. 130.
2⁷9 Siehe Delisle, Les livres d'heures du duc de Berry. Gaz. d.
B.-A. 2 pé. t. 29, P. 401 f. Die Zweifel, welche Müntz an ihrer
Entstehung vor 1416 und damit vor dem Genter Altare äussert, er-
scheinen uns ebensowenig berechtigt wie seine Wertschätzung derselben
zu hoch. Siehe Gaz. d. B.-A. 3 pé. t. 19, p. 289 f. 8
²80 Auch Müntz (a. a. O. p. 301) kommt nicht über das hinaus,
was schon viele, zuerst wohl Waagen (siehe u. a. Handbuch der deut-
schen und niederländischen Malerschulen (1862) I, p. 69 ff.) vor ihm
gesagt haben. . .
281 Cat. No 677, p. 84.
282 Ueber die Thätigkeit dieses Meisters und sein Zusammenar-
beiten mit dem Bildhauer Jacques de Baerze (Holzstatuette des hl.
Georg von der -Chapelle portative- der Herzöge von Burgund, jetzt
im Museum zu Dijon) siehe Cat. No 676, p. 74 ff.
²83 Nicht zustimmen können wir Müntz, wenn er (a. a. O. p. 295) die
Abhängigkeit der van Eyck von der Plastik in folgender Weise zu be-
gründen sucht: Pour nous en convaincre, regardons seulement les
higures en grisaille qui ornent les volets extérieurs du retable en question:
ce sont des reproductions textuelles de statues. Das heisst vielmehr die
Kunst der Brüder van Eyck durchaus verkennen und missverstehen,
denn diese genaue Wiedergabe und direkte Uebertragung von Steinfiguren
auf die Bildfläche ist ja gerade das Ziel dieser Meister,
deren ganzes Bestreben doch nur dara uf gerichtet ist,
eine möglichst genaue Wiedergabe aller Gegenstände
zu erzielen! Gerade hier setzt vielmehr, wie Kämmerer mit Recht
hervorhebt, «das Neue, Epochemachende der Eyckischen Kunst ein:
das Streben nach malerischer Illusion!- (Künstlermonographien XXXV,
Hubert und Jan van Eyck, 22.)
Diese beiden Nachbildungen von Steinfiguren sind aber auch
noch in einer anderen Hinsicht höchst bemerkenswert und zwar durch
den bisher gänzlich übersehenen Umstand, dass sie — unbemalt sind!
Denn da durch wirken sie für ihre Entstehungszeit wie
ein direkter Anachronismus. Die Erklärung dieser Erschei-
nung, auf die unseres Wissens bisher noch niemand aufmerksem ge-
macht hat, dürfte nicht leicht fallen. Thatsache ist es zunächst
jedenfalls, dass zur Zeit der Brüder van Eyck die Plastik und beson-
ders gerade die Skulpturteile von Altarwerken noch durchweg bemalt
waren. Wie kommen also gerade diese dazu, in ihrem Werke von
dem gewöhnlichen Gebrauche abzuweichen, wo doch Jan van Eyck
selbst, wie wir gesehen haben, gelegentlich Skulpturen bemalte?! Ge-
schah es nur zu dem Zyvecke, einen möglichst fühlbaren Gegensatz
zwischen den beiden als Statuen gedachten Johannesfiguren und den
übrigen Gestalten des Altares zu schaffen, oder ist der Grund vielleicht
in einer tieferen, uns unbekannten Absicht der beiden Meister zu


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