Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., ZG 4885
Die Pforte
4. Jahrgang.1984
Seite: 124
(PDF, 33 MB)
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Vorbilder für den richtigen Standort sind Einsiedeln (die Gnadenkapelle), Freiburg (Pfeiler neben
Sakramentsaltar), Kiedrich im Chor, durch die Aufstellung auf niedrigem Sockel ist die kleine Figur
allen sichtbar.

Die Madonnen dieser Zeit waren alle aufs
schönste farblich gefaßt, mit dezenten, ihrer
Würde entsprechenden, den göttlichen Personen
vorbehaltenen Farben (- keinesfalls schreiend
-aufdringlichen -) und zurückhaltender
Vergoldung einzelner Partien. Niemals sind
ganze Gewänder mit glänzendem Gold überzogen
worden! Das blieb dem Barock und der
Renaissance vorbehalten, die sich in Oberflächen
-Verherrlichung gefielen.

Die Kenzinger Muttergottes ist eine ländlich
-bäuerliche Schönheit. Sie trug ursprünglich
ein Kopftuch, das den Scheitel frei sichtbar
ließ, nach hinten, hinter Ohren und Seitenlocken
gerafft, dann aber nach vorn über
Schulter und Achsel gelegt war. Hier im oberen
Brustteil sieht man heute noch den gefältelten
Saum des dünnen Kopftuches. Dieses ist
von einem groben Instrument, nicht ganz ungeschickt
geführt, weggemeißelt worden, so
daß man sein Fehlen kaum wahrnimmt. Der
Kopfschleier der Madonna gehörte aber zu ihr
wie das Kopftuch zur Winzerin, die an heißen
Tagen ihrer Arbeit im Weinberg nachzugehen
hatte. In dieser Bekleidung war sie den Rebleuten
zugedacht und darum auch menschlich näher
, ja erschien wie eine nahe Verwandte mit
der gleichen Lebensaufgabe, die Frucht des
Leibes, das Kind, und die Früchte des Weinstocks
, die Traube in liebender Sorgfalt, im
Vertrauen auf Gott, zu pflegen bis zur vollen
Reife.

Das Kopftuch war zu einer Zeit weggemeißelt
worden, als ein Stadtpfarrer den Wert
des Kunstwerkes glaubte erkannt zu haben und
es für die Stadtkirche vereinnahmte. Er hätte
der Madonna wohl gerne eine Krone aufgesetzt
, wenn es nicht tatsächlich geschehen ist,
wie einige Löcher im Holz vermuten lassen.
Die Madonna sollte wahrscheinlich auch einen
Stoffmantel erhalten und das nackte Kind bekleidet
sein, weshalb nicht nur der störende
Schleier entfernt wurde, auch bauschige Falten
über dem linken Arm der Mutter, auf dem das
Kind sitzt. So, nun war die Madonna, unterschiedlich
einkleidbar, einer Stadtkirche würdig
! Es war eine Königin aus ihr geworden, im
Sinn der Stadtbevölkerung, die eine stolze

Mutter einer einfachen ländlichen vorzog. Die Winzer-Madonna von 1430

Schade, ihr künstlerischer Wert wäre noch wesentlich höher, ihre Wirkung überzeugender.

Die Madonnenstatue von Kenzingen hat zuletzt in der Friedhofskapelle in der Peiersbreite gestanden
. Dahin ist sie gewiß nach dem Abbruch der Peterskirche auf Verlangen der Anwohner gekommen
. Die Sockelzone der Statue ist stark verwurmt, weshalb man ohnehin auf eine kleine Kirche
oder Kapelle als ursprünglichem Standort schließen konnte, denn in diesen ist immer eine gewisse
Feuchtigkeit vorhanden, welche dem Holzwerk schadet.

Der Name des Meisters ist noch nicht bekannt; die Frage nach ihm dürfte bei der Qualität seiner
Werke aber noch beantwortet werden können. Die Madonna ist aus stilistischen und ikonografischen
Gründen, die hier nicht näher erklärt werden können, um 1430 entstanden, sie hat also ein ehrwürdi-

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