http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/pforte-1985-5/0117
Der drohende Verlust trübt unsere Freude und ein berechtigter Zweifel beschleicht uns, ob wir die
selbst verursachte Zerstörung unserer Umwelt - durch reines Profitdenken und sogenannte Sachzwän-
ge - noch aufhalten können. »Mit dem Ende einer Landschaft kann urplötzlich die Seele abhanden
kommen.« Es wäre nicht auszudenken, sollte diese Befürchtung, im Nachwort des Buches angedeutet
, Gewißheit werden. Könnte die Botschaft der sterbenden Bäume nicht auch zum Anstoß werden,
das Wissen um den Archetypus Baum wieder zu beleben, und die überall um uns aufragenden Bäume
neu in unser Bewußtsein aufzunehmen? Diese Hoffnung ist nicht ganz unbegründet.
Helmut Reiner
Jean Giono
Der Mann mit den Bäumen
Verlag Flamberg, Zürich, 1984, 37 S. 14 Zeichnungen, br. DM 15,--
Dieses Büchlein transzendiert mit den Mitteln der Sprache, in einmaliger Weise das Thema der
PFORTE '85.
Es ist die ergreifende Geschichte vom provencialischen Hirten Elzeard Bouffier, der zwischen den beiden
Weltkriegen in Karst und wasserloser Einöde, völlig alleine und ohne Hilfe, Zehntausende von
Eicheln in die seltenen Humusstellen versenkte. Daraus erwuchs einer der schönsten Wälder Frankreichs
. In völliger Einsamkeit und als glücklicher Mensch soll der Alte gestorben sein.
Mit dieser schlichten Gegebenheit erinnert Giono daran, daß schon der Impuls zur guten Tat, zur
Überwindung des Eigennutzes und der beharrliche Wille zur Durchführung des als richtig Erkannten,
allen Widerständen zum Trotz, den Menschen adeln, nicht erst der sichtbare Erfolg.
Walter Tappolet, der den Text mit Genauigkeit und viel sprachlichem Feingefühl ins Deutsche übertrug
, schließt sein Nachwort mit der Hoffnung und dem Glauben an die Selbstlosigkeit und Treue als
unsichtbares Zeichen auch einer kommenden Zeit: »Es läßt Segenskeime, die es unzerstörbar in sich
birgt, sprießen, blühen und reifen, wo immer einer davon hört und daraus für sich die richtige Folgerung
zieht«.
»Der Mann mit den Bäumen« ist eine aktuelle Parabel im Zeitalter des Umweltschutzes.
Max Hegetschweiler versucht in seinen anregenden Zeichnungen einzelne Situationen des Geschehens
ins Bildnerische-Symbolhafte zu fixieren.
Helmut Reiner
Weitere Bücher und Beiträge zum Thema: »Die kulturhistorische Bedeutung des Baumes«
E. Michaelis: Der Mensch und der Baum, Gedanken und Bilder zu einem alten und neuen Thema.
Reinbeck bei Hamburg 1979
Frederic Vester: Ein Baum ist mehr als ein Baum. Ein Fensterbilderbuch.
Herausg. von der Studiengruppe für Biologie und Umwelt, München 1984, DM 24,80
Gerda Gollwitzer: Botschaft der Bäume, gestern - heute - morgen ?
DuMont Bucherverlag, Köln 1984, DM 24,-
F. Hindermann (Hrsg.): »Sag' ich's euch, geliebte Bäume ...«
Texte aus der Weltliteratur. Manesse Verlag, Zürich 1984, DM 29,90
CG. Jung: Der philosophische Baum.
Ges. Werke Bd. 13, Walter Verlag, Ollen-Freiburg 1978
Kathinka Schreiber: Von Bäumen und Menschen.
Aus: NATUR, 1/1985, München, S. 42
Gertrud Höhler: Die Bäume des Lebens.
Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart, 352 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, DM 34,—.
115
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/pforte-1985-5/0117