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Der Modernisierungsschub der 60er Jahre machte sich ebenfalls beim Brennmaterial bemerkbar
, bei welchem nach und nach das leichte Heizöl die festen Brennstoffe verdrängte.
1973 wurde der Lastwagen abgeschafft, mit dem man seit 1957 der Kundschaft die Kohlen
vors Haus gefahren hatte. Diese Umstellung wurde insoweit mitvollzogen, als Heizöl auch
heute noch vom Geschäft angeboten und über große Heizölfirmen geliefert wird.
Bei den im Haushalt verwendeten Gerätschaften waren ebenfalls große Veränderungen im
Gange, nicht zuletzt durch die fortschreitende Verwendung elektrischer Geräte in den fünfziger
Jahren. So wurden die nicht elektrisch betriebenen Rasierapparate, die Haarschneidemaschinen
und die Brotmaschinen überflüssig, Fleischhackmaschinen und handbetriebene
Kaffeemühlen museumsreif. Und wer wollte noch Besteck kaufen, das nicht rostfrei war?
Der Umweltschutz ließ ebenfalls einige Waren aus dem Angebot verschwinden, z. B. das
Vitriol (1948 waren 8.600 kg davon vorhanden!), eine ältere Bezeichnung für wasserlösliche
Sulfate 2wertiger Schwermetalle. Das Kupfersulfat wurde zum Spritzen der Weinstök-
ke und zur Schädlingsbekämpfung bei Nutzpflanzen verwendet, das Eisensulfat ebenfalls
beim Pflanzenschutz, dann auch zur Holzkonservierung und in der Gerberei. Heute dagegen
ist man bestrebt, die Belastung des Bodens durch Schwermetalle zu vermeiden und
so wenig Gift wie möglich einzusetzen.
Bedingt durch die Sortimentsvielfalt müssen die Waren auch heute noch außer über den
Einkaufsverband und den Großhandel über weitere 20 Firmen für spezielle Artikel bezogen
werden.
Im »Spitzenhäusle« verkauft man nun
Eisenwaren.
Der alte Lagerschuppen war noch kurz vor
Kriegsende abgebrannt, es fehlte an Lagerräumen
, und die Verkaufsfläche sollte auch
dringend vergrößert werden. Da ergab sich
die Möglichkeit, das angrenzende baufällige
Spitzenhäusle« zu erwerben. Ernst Bu-
ry sen. konnte gerade noch die ersten Pläne
für den Umbau in Angriff nehmen, als er
im Alter von 77 Jahren 1962 verstarb. Die
Planung lief jedoch an wie vorgesehen,
denn Mutter und Sohn führten die Firma
weiter.
Es waren gute Jahre, als mit dem Neubau
begonnen wurde, und sie sollten noch eine
Weile andauern bis zur Rezession von
1966/67. Nach Beendigung der umfangreichen
Baumaßnahmen konnte 1964 auf einer
um das Doppelte vergrößerten
Verkaufsfläche ein erweitertes Warensortiment
angeboten werden. Drei bis vier Angestellte
waren mit Ein- und Verkauf,
Lieferungen und Vertrieb beschäftigt.
Die Haushaltswarenabteilung wurde wesentlich
erweitert — noch verfügte nicht jeder
Haushalt über die heute durchschnittliche
Zahl von 13 Kochtöpfen! -, kleinere Elektrogeräte und auch Geschenkartikel wurden
ins Programm aufgenommen.
Foto 6: Das baufällige Spitzenhäusle kurz vor dem
Abbruch. »Spitzenhäusle genannt nach der Besitzerin
: Marie Spitz.
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