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Maier: Ein neues Medium in Italien.
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Forschen entdeckte die Gesellschaft dort ein zerbrochenes
Marmorkreuz, worauf gerade noch zu lesen war: „ ... iulio
del Grande, morto il. . In der aufgewühlten Erde fand
sieb noch ein verblasstes Stückchen Papier, das sich als eine
jener Photographien erwies, womit in katholischen Ländern
die Perlenkränze der Todten geschmückt werden, und welche,
nachdem sie Vassallo vom Schmutz gereinigt hatte, zu sfeinem
und seiner Begleiter nicht geringem Erstaunen, ganz dieselben
Züge zeigte, wie die räthselhafte Erscheinung am Abend
zuvor. — Wenn diese „Erfahrungen" wirklich auf exakter
Beobachtung beruhen und jede Art von Betrug durch das
Medium ausgeschlossen war, worüber ein sicheres Urtheil
sich zu bilden für die an den betreffenden Sitzungen nicht
Betheiligten immer sehr schwierig ist, so würde hier ein
seltener Identitätsbeweis vorliegen, und es ist begieiflich,
dass dieser von der gesammten Presse besprochene Bericht
Vassallo9» mehr als alles Bisherige zur Verbreitung des
Spiritismus in Italien beigetragen hat.
Kurze Notizen.
a) f Emile Zola, der grösste lebende Dichter Frankreichs,
der Bahnbrecher einer neuen litterarischen Anschauung, der
unermüdliche Kämpfer für Wahrheit, Fortschritt und Recht
ist durch einen unglückseligen Zufall (Vergiftung durch
Kohlenoxydgas in Folge eines Kamindefekts in seiner
Wohnung, Rue de Bruxelles, 2 zu Paris, am 29. September)
mitten aus einem reichen Leben der Arbeit, des Kampfes
und des Erfolges herausgerissen worden. Als Sohn eines
venetianischen Ingenieurs am 2, April 1840 in Paris geboren,
widmete er sich zuerst dem Buchhandel. Von hier aus fand
er den Weg zur Litteratur. Im Jahr 1864 erschienen seine
Erzählungen an Ninon, denen schon 1867 eine wuchtige
Talentprobe, der gewaltige Roman „Therese Raquin" folgte.
In dem 20 Bände umfassenden Romaueyklus „Die Rougon-
Macquarts" gab er die „psychologisch-soziale Geschichte einer
Familie unter dem Kaiserreich." Erinnert sei daraus an
„La Terre", „L'Argent", „L'Assommoir", „Au Bonheur des
Dames4', „Der Bauch von Paris", „Nana", „La Debäcle",
„Die Sünde des Abb6 Mouret" und an das grosse Epos des
modernen Arbeiters: „Germinal". In dem Romaneyklus
„Roni-Lourdes-Paris" fand sich Zola mit der Macht der
Kirche ab, um sich den neuen Evangelien der Arbeit zuzuwenden
. Mitten in der Arbeit an diesem neuen Roman*
cyklus, dessen 3. Theil eben im Erscheinen begriffen ist,
Psychische Studien. November 1902, 45
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