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78 Psychische Studien. XXXV. Jahrg. 2. Heft. (Februar 1908.)
nasse Glasscheibe dagegen beförderte die Kraft der
Schwingungen, Bei dem Versuch über dem Handrücken
bewirkte sie ein Uebergehen der Längsschwingungen in
Kreissehwingungen. — Aehnlich waren die Experimente
über Metallen usw., z. B. auch Zinkpendel über Zinkplatten
atc. Das genüge zur oberflächlichen Orientierung. —
Die ersten Berichte über die erwähnten Versuche, und
zwar günstig lautende, brachten: das Intelligenzblatt der
„Jenaischen allgem. Litteratur-Zeitung11, vom 9. Mai 1807,
und Colta's » Morgenblatt für gebildete Stände,a 1807,
Nr. 26, 8. 101 ff. Und nicht viel weiter, S. 220, klagt bereits
ein Anonymus in einem Brief aus München: „Viele
Stimmen erheben sich vorlaut gegen die Sache. Ritter, der
nicht in Zeiturteilen lebt, wirkt indessen für die Wissenschaft
und bereichert diese. Es ist wahrlich eine auffallende
Erscheinung, dass in unseren Tagen, wo alle Sinn
für alles haben wollen, nichts Grosses versucht werden
kann, ohne nicht zahlreiche Stimmen aufzuregen, die ohne
Prüfung verwerfen. Woher das Phänomen?14 S. 694 ff.
folgt dann ein Bericht über erfolgreiche Nachprüfungen des
Ritter'&chen Pendelexperiments seitens des Prof. K. J. H.
Windischmann, und S. 707 über einige nicht geglückte
Versuche. —
Auch die Fachzeitschriften Hessen nicht lange auf sich
warten. Ad. Fr. Gehlen's „Journal für die Chemie und Physik44
berichtet im 3. ßan 35^(1807), S. 732 ff. über einige
nach Ritters Muster von /. /. Winter! sehr sorgfältig ausgeführte
Versuche mit dem Schwefelkiespendel, die völlig
negativ ausfielen; er gab nämlich den den Faden haltenden
M^erh einen festen Stützpunkt. Dagegen gelangen Versuche
von Bucholt und Haberle, auch wenn diese statt des
Schwefelkieses reinen Schwefel verwandten. Im 5. Bande
(1807), 8. 575 ff. nimmt C. F. ßucholz selbst das Wort und
berichtet über seine zum teil im Beisein der Professoren
Trommsdorff und ßernhardi angestellten erfolgreichen Experimente
mit dem Pendel. Er stimmt mit Ritter darüber
überein, dass die Versuche nur besonders dazu geeigneten
.Personen gelingen, und verteidigt seine Ansichten gegen L.
W. Gilbert, der dies nicht gelten lassen will. (Auf Gilbert
kommen wir weiter unten zu sprechen.) Im 4. Bande des
„Journals" finden sich ferner S. 98 ff., sowie S. 114
günstige Besprechungen.
Weiterhin sprach sich Dr. K. E. Schelling in den von
F. J. W. Schelling und A. F. Markus herausgegebenen „Jahrbüchern
der Medicin«, 18U7, 2. Band, 8.17» ff. anerkennend
über die ÄtYter'schen Versuche aus, da dieselben sowohl
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