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88 Psychische Studien. XXXV. Jahrg. 2. Heft. (Februar 1908.)
mit dem Medium Slade im Frühling 1877 hielt, war sie
Zeugin solcher Materialisationen. Sie schrieb darüber:*)
^Slade wohnte drei Monate im Hause des Lithographen
Spanier im Haag ... Einmal hatte ich eine Sitzung bei ihm
mit dem seither verstorbenen Herrn Thomas van Stolk, und
ich will in diesen Zeilen bloss beschreiben, was ich gesehen
habe.
Im Hotel „Kaiserhof* wurden wir in ein ganz geräumiges
Zimmer geführt, wo die Sonne hell schien und
die Gardinen in die Höhe gezogen waren. Slade war ein
Mann in den besten Jahren mit angenehmem Aeusseren.
Er ersuchte uns, an einem ziemlich grossen Tisch zu sitzen
und die Hände auf den Tisch zu legen.
Er machte es auch so. Man konnte das ganze Zimmer
tibersehen; es war ausser mir niemand da, als mein Freund
und das Medium. Auf dem Tisch lag eine gewöhnliche
Schiefertafel, eine Harmonika und etwas Papier. Kaum
sassen wir, so kam eine Manneshand, welche die Harmonika
nimmt und sie zu dem Medium legt. Das Medium packt
die Harmonika bei der anderen Seite und nun beginnen
die Geisterhand und die Hand des Mediums zusammen ein
Lied zu spielen, das ganz harmonisch klang. Nachdem das
vorbei war, kam dieselbe Hand auf mich zu, streichelte
mich auf die Wange, klopfte mir auf die Schulter und
stiess mich ans Knie; diesesmal war die Hand mit einem
halben Arm versehen.
Mein Freund van Stolk war so überrascht, dass er
kaum sagen konnte: „Ach, komm doch einmal zu mir!"
Der Geist tat es sofort, klopfte ihm auch auf die Schulter
usw. Ich fragte sodann das Medium, ob ich nicht ein
Lebenszeichen von einem lieben, vor vier Jahren gestorbenen
Familienmitglied bekommen könne. Ich sagte
nicht, ob es ein Mann oder eine Frau sei, dachte aber an
meine unvergessliche verstorbene Nichte, Frau W. von
Amsterdam. Das Medium sagte: „We will try." Nach ein
paar Augenblicken legte sich eine kleine Frauenhand auf
meine Schulter und streichelte und liebkoste mich wiederholt
. Ich wurde davon so bestürzt, dass ich nichts weiter
mehr fragte oder tat, so gern ich gewünscht hätte, dass
sie mir auf meine Bitte Identitätsbeweise gegeben hätte;
allein infolge meiner Verwirrung war sie alsbald verschwunden
.
Dann sagte das Medium zu mir: „Nehmen Sie jetzt in
Gedanken einmal einen Gegenstand, aber sagen Sie nichts
*) „Het Toekomstig Leven«, 1899, 8. 3.
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