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Iiiig: Ein wahr gewordener Traum. 203
mich resultatlose l?orschung, einwandfrei festgestellter Betrug
auf der einen, und Leichtgläubigkeit auf der anderen
Seite der methodischen Arbeit auf okkultem Gebiet entfremdet
und dem mehr oder weniger ablehnenden Kritizismus
in die Arme getrieben hat, sodass ich heute in den
meisten der vielbewunderten „okkulten Vorgänge" nichts
anderes erblicken kann, als entweder recht wohl erklärbare
psychische Vorgänge oder vielleicht — es ahnt mir fast —
nichts mehr als Vorgänge und Probleme aus der materialistischen
Dynamik, die, in ihren Einzelheiten und in ihrem
Wesen erkannt, zwar manches Interesse bieten und unsern
Intellekt befreien, aber doch für die Frage nach dem letzten
Sinn und Ziel unseres Lebens nichts weiter bedeuten als
jeder andere Fortschritt in der Naturerkenntnis auch. Doch,
die verstandesmässige Analyse ist das wichtigste Moment
unseres Lebens nicht, ja, sie kann unter Umständen zur
Lebenshemmung werden, das ist mir mit den Jahren auch
klarer geworden. Die primäre Lebens-Wahrheit, die
„gebende", ist das Gefühl in Verbindung mit einem
starken, „verwirklichenden44 Willen. Was darinnen lebendig
ist, das ist das einzig Positive, das wir haben. Und im
Gefühl bin ich der Richtung der „Psych. Studien4* vielleicht
doch näher geblieben als wohl manche „Okkultisten"
vermuten, wenn uns auch die verstandesmässige Methode
trennte. Im Gefühl sind mir die Zusammenhänge klarer
und klarer geworden, in denen unser Einzelwesen mit dem
Oniversalwesen steht; da ist mir der Kausainexus deutlich
geworden, der Individuum mit Individuum und das Indi«
viduum mit dem Allüberall und Allimmerdar verkettet.
So fühle ich mich denn nicht mehr als ein aus dem Zusammenhang
Gerissenes, Losgelöstes, sondern als Teil eines
Ganzen, Lebendigen, dem ich gebe und von dem ich empfange
und dessen vieltausendgestaltiges Erleben mir je nach
der Konstellation der Teile und Kräfte auch einmal in
anderer als der gewöhnlichen, sinnenfälligen und schulge- *
duldeten Weise zum Bewusstsein kommen kann. — Dies zur
kurzen Einleitung, damit die Leser wissen, wo ich stehe
und warum ich mich immer noch für die einschlägigen
Probleme interessiere und mich heute wieder einmal nach
Jahren ihnen vorstelle. Die Gabe, die ich ihnen zu bringen
habe, ist bescheiden; sie sagt — mir wenigstens — auch
demokratischen Volksblattes „Dei Hohenstaufen*. Je skeptischer
er sieh schon seit längerer Zeit zu den übersinnlichen Fragen stellt,
desto wertvoller erscheint das von ihm berichtete, materialistisch
u. E. nicht restlos zu erklärende obige Erlebnis. — Red.
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