http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/psychische_studien1908/0251
240 Psychische Studien. XXXV. Jahrg. 4. Heft. (April 1908.)
und Torney (1. Vorsitzender), Schlussansprache. (Näheres bei der Geschäftsstelle
des „ZentralVerbands zur Bekämpfung des Alkoholismus
* in Berlin, W. 15, Emserstr. 23. — Vgl. Märzheft v J., S. 180.)
liiteraturbericlit.
Nachstehend besprochene Werke sind zu Originalpreisen durch die Buchhandlung
Oswald Mutze, Leipzig, Lindenstrasse 4, zu beziehen.
A. Kücherbesprec hangen.
Die Lehre vom Zufall bei Emile Boutroux. Ein Beitrag zur Geschichte
der neuesten französischen Philosophie. Von Dr. Otto Bölitz
[Falckenberg's Abhandlungen zur Philos. Heft 8]. Leipzig 1907.
Verlag von Quelle fr Meyer (120 S. 8°. Preis 4 M.}.
Die kritischen Untersuchungen von Prof. Boutroux „über die
Zufälligkeit der Naturgesetze", 1875 erschienen, aber, wie es scheint,
bisher in Deutschland ebenso wenig beachtet, wie die allerdings von
anderen Gesichtspunkten (den Grundsätzen der Wahrscheinlichkeitsrechnung
) ausgehenden Schriften von Cournot, le Bon, Poincarb, Revel
u. a. wercten hier in fliessender Sprache und mit grosser Klarheit dargelegt
. Sie beziehen sich nicht nur auf die Naturgesetze im engeren
Sinne, sondern überhaupt auf logische, mathematische, mechanische,
physikalische, chemische, biologische, psychologische und soziologische
, und führen zu dem doppelten Ergebnisse: „dass die grossen,
ehernen -Naturgesetze11 nur ein schwacher Ausdruck menschlicher
Beobachtungen und Berechnungen sind für Vorgänge, die ihrem
wahren Wesen nach sich dem beobachtenden Menschengeiste entziehen
werden, dass sie stets nur auf Formeln (und dazu nicht
immer einwandfreie Formeln) gebrachte Bätsei der Wirklichkeit
sind" — und „dass diese grosse Welt trotz ihrer Gesetze und trotz
alles Wissens um sie allenthalben Elemente aufweist, die als etwas
Neues, Unerkennbares und Geheimnisvolles sich der notwendigen
Bestimmung und mathematischen Berechnung entziehen", — wodurch
auf eine Synthese von Empirismus und Rationalismus hingewiesen
und zugleich eine Versöhnung von Wissenschaft und
Ulauben angebahnt wird. Wernekke.
Unbekannte Naturkräfte von Camille Flammarion, Direktor der Sternwarte
zu Juvisy - Paris. Mit 18 Abbildungen im Text und zehn
Tafeln. Verlegt im Jahre 1908 bei Julius Hoffmann in Stuttgart.
380 S. 8°. Preis Mk. 5.-, geb. Mk. 6.».
Noch immer spalten sich den okkultistischen Erscheinungen
gegenüber die Gebildeten unserer Zeit in zwei Gruppen; die einen
halten mit religiöser Hingebung an der spiritistischen Lehre von
der Entkörperung der Seele ohne allen Vorbehalt fest, während die
anderen alles als lächerliche Albernheit hinstellen und, wo grosse
Gelehrte von kritischem Geiste, wie Orookes, fVallace, Richet9 Oliver
Lodge und andere Grund zu ernstem Forschen fanden und eingehende
Studien anstellten, anmassend genug sind, mit einer dogmatischen
, jeglichen Beweises baren Verneinung zu kommen. Für
solche ist freilich das Wort Sir William Thomson*& nicht gesprochen:
„Die Wissenschaft wird von dem ewigen Gesetze der Ehre dazu verpflichtet
, jedes Problem, das ihr offen entgegentritt, ohne Furcht gerade
anzublicken/ Glücklicherweise hat sich aber eine Reihe angesehener
und verdienstvoller Gelehrter in Frankreich, England
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/psychische_studien1908/0251