Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene, Bibliothek, Frei122-Z5
Aksakov, Aleksandr N. [Begr.]
Psychische Studien: monatliche Zeitschrift vorzüglich der Untersuchung der wenig gekannten Phänomene des Seelenlebens
35. Jahrgang.1908
Seite: 307
(PDF, 215 MB)
Bibliographische Information
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Parapsychologie und Grenzgebiete der Psychologie

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Literaturbericht.

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nach kurzer Frist wiedererscheinen müsse, war unabweislich. Hier
war der Punkt, wo die besondere geschichtliche Hoffnung und die
seit Jahrtausenden genährte volkstümliche Anschauung vom Sterben
und Wiedererwachen des jungen Gottes ineinander flössen, wo
Christus »der Herr" und Adonis „der Herr* identifiziert wurden.
Bemerkenswert ist, dass die Gebiete der grössten Dichtigkeit der
jüdischen Diaspora fast genau zusammenfallen mit den Ländern,
wo der sterbende und wiedererstehende junge Gott gefeiert wurde,
und dass dieselben Gebiete auch die Stätten sind, an denen wir
schon eine Generation nach dem Tode Jesu die zahlreichsten,
blühendsten und fruchtbarsten Gemeinden der neuen Glaubensform
antreffen: Syrien, Anatolien, Aegypten. Der Messiasglaube und der
Auf erstehungsglaube sind die beiden Urzellen des Christentums; der
daraus gebildete Kern hat sich durch Verschmelzung mit babylonischen
und zarathustrischen Anschauungen, dem Mithraglauben,
hellenischen Gedanken und buddhistischen Einflüssen bedeutend
vergiössert. Es dürfte schwer halten, auch nur eine Aeusserung,
ein Gleichnis, eine Handlung des Idealmenschen mit geschichtlicher
Sicherheit auf Jesus von Nazareth zurückzuführen. Haben
ja einige Forscher das Leben Jesu selbst in Zweifel gezogen! Die
katholische Kirche hat durch Beibehaltung der volkstümlichen
Wurzeln der Religion in allen Stürmen einen festen Halt gewonnen;
dem deutschen Protestantismus, der die Eeligion des Gewissens, des
Gemütes, des Individuums zu Ehren bringen wollte, ist es beschieden
gewesen, die religiöse Betätigung der Gemeinde auf ein Minimum
herabzudrücken; die Gmndzüge des Christusglaubens im Sinne
des Verfassers könnten vielleicht infolge ihrer schöpferischen Bedeutung
bei einer etwaigen Zertrümmerung der kirchlichen Form
und der Schaffung einer neuen tonn eine ausschlaggebende Holle
spielen. — So weit haben jpr den Verfasser meist mit seinen
eigenen Worten reden lassen. So ganz neu und originell wird der
Leser die vorgetragenen Theorien nicht gefunden haben. Eine
tiefere Auffassung des Christentums lässt das Christusbild doch im
Mittelpunkt des Glaubens bestehen. Im übrigen sei das Buch als
eine reiche Fundgrube der Religionsgeschichte bestens empfohlen.

ff ienhold.

Wege zum Leben. (Der höchste Wert. Gott und Mensch. Die Ehe.
Der Tod ) Vorträge von Ernst Homeff'er. 1.—3. Tausend. Leipzig
1908. Verlag von Dr. Werner klmkhardt. 148 S. 8°.

„Nicht mit Gründen der Vernunft, nicht im Namen der Wissenschaft
bekämpfen wir den Gottesglauben, nein, auf seinem eigensten
Gebiet, im Namen der Religion, erheben wir Einspruch gegen ihn."
„Gott ist nicht die Erlösung der Welt. Gott ist in meinen Augen
die Entseelung, der Tod der Welt/ „Eine schwere Belastung ist
Gott für die Welt. Angesichts seiner flöhe muss alles irdische
Wesen hinsterben * „Gott bedeutet den Inbegriff alles Lebens, aller
Vollkommenheit. Entwertet Gott dadurch nicht alles andere Leben ?
Stösst er es nicht in ein armselig Nichts hinab?* — Mit Verlaub,
wer mit solchen und ähnlichen Waffen gegen Gott und Christentum
kämpft, der treibt eitel Sophisterei. Auf dieses Gebiet folgen wir
dem Verfasser nicht. Eher noch lässt sich mit dem Verfasser reden,
wenn er nicht die Nächstenliebe, sondern die Selbstausbildung und
Selbsterziehung, die Tugend, die das eigene Ich in den Mittelpunkt
rückt und Voraussetzung jedes fruchtbaren Nächstendienstes ist, an
erster Stelle predigt, Schöpferkraft, Gerechtigkeit und Opfermut
an erster Stelle preist. Und mit welch heiligem Ernste spricht er
von der Ehe: „Es schwirren heute wunderliche Stimmen durch die


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