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Eaindl: Metapsychische Phänomene aus alter Zeit. 323
keinerlei Spuren der Qualen verriet, die er zu erdulden
hatte, und dass er sich weder für einen guten, noch für
einen bösen Geist ausgab. Wir werden alsbald merken,
dass, obgleich er ein guter Geist war, er dennoch entsetzlichen
Martern unterworfen war; denn seine Forderungen
wurden immer dringender und er
wollte keinen weiteren Aufschub bewilligen
. Er wurde immer ungestümer und gewalttätiger
: er schleppte Stühle umher,
machte Regina sprachlos und Hess sie bei*
nahe leblos zurück; auch hörten manche
Leute, wie er stöhnte und tiefe Seufzer
ausstiess und geräuschvoll an den Türen
rüttelte. Wir wollen einige dieser Tatsachen anführen.
Regina's Vater riet seiner Tochter, den Geist auf die Probe
zu stellen und ihn zu ergreifen und festzuhalten, wenn sie
ihn sah. Sie tat es, aber sie hielt nichts
ausser Luft und wesenlosen Schatten fest.
Indem sie jetzt befürchtete, bloss das Opfer einer Sinnestäuschung
geworden zu sein, forderte sio den Geist auf,
falls er ein guter Geist wäre, sie mit seinen Fingern zu berühren
, Unmittelbar darauf berührte er sie
am rechten Arm; sie f ü h 11e es augen b 1 ick-
lieh; die Berührung, verursachte eine Blase,
welche ganz das An sehen ei n es Br andm a 1 s
bekam, und, um für das Phänomen zu zeugen, blieb die
Blase bestehen und die ganze Dienerschaft sah sie* Um
zu ermitteln, ob dies das Werk eines bösen Geistes gewesen
war, verlangte Regina von ihm — als Beweis, dass er ein
guter Geist wäre —, das Zeichen des Kreuzes zu machen.
Er rief mit lauter Stimme: „Hier ist, was du gefordert
hast!" Zugleich Hess er auf ihrem Mantel
ein flammendes Kreuz erscheinen und verbrannte
Regina' $ rechte Hand heftig, indem
er darauf das Zeichen eines Kreuzes
hinterliess, was jedermann imstande war zu sehen.
Das junge Mädchen jedoch, begierig, umfassendere Beweise
zu erhalten, verlangte, dass ihr ein weiteres Zeichen
gegeben werde. Zuvörderst zeigte sie ihm einige Hirtenbriefe
, die vom Bischof von Smyrna geschrieben und signiert
worden waren, Briefe, in welchen er verschiedene
Dinge forderte, welche Regina unbekannt waren.
Der Geist entgegnete, dass er nicht wüsste, wie er
Briefe lesen sollte; nichtsdestoweniger war er im Begriffe,
Genugtuung zu schaffen. Er nahm sogleich die Briefe
zwischen seine drei ersten Finger; da aber seine
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