Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene, Bibliothek, Frei122-Z5
Aksakov, Aleksandr N. [Begr.]
Psychische Studien: monatliche Zeitschrift vorzüglich der Untersuchung der wenig gekannten Phänomene des Seelenlebens
35. Jahrgang.1908
Seite: 417
(PDF, 215 MB)
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v. Scimehen : Plotin's Psychologie. 417

Drews auf S. 240 u. ff. angeführt. Was Plotin selbst, im
Gegensatz zu den von ihm bekämpften Richtungen, über
Wesen und Fortdauer der Seele denkt, geht zum Teil aus
dem früher Gesagten schon hervor. Die Seele ist für ihn
weder selbst etwas Körperliches, noch auch die blosse Harmonie
der Körperteile oder, wie Aristoteles meinte, nur die
Form des Körpers. Sie ist vielmehr ein selbständiges
Wesen, das vor dem Körper und unabhängig von ihm
da ist, also auch nicht mit ihm vergeht. Sie ist die
Kraft des Lebens und der Bewegung in den
Körpern. Ja, sie selbst ist Leben, ist Wirksamkeit und
Wirklichkeit schlechthin. Damit ist sie aber über den
Gegensatz von Leben und Tod erhaben. Und dies gilt
nicht bloss von den Menschenseelen, sondern auch von den
Tier- und Pflanzenseelen. „Denn alle sind ausgegangen
von demselben Prinzip, haben das Leben als Wesensbestimmung
an sich und sind auch ihrerseits unkörperliche und
unteilbare Substanzen (ovölac: IV, 7, 13 — 14 u. 19).
Bleibt doch die Seele, auch wenn sie in einen Körper eingeht
, in ihrem obersten Teile mit der Weltseele verbunden
und muss darum auch an deren Unvergänglichkeit teilhaben
(IV, 7, 18).*) Auch liefern die abgeschiedenen Seelen ja
durch Weissagungen und anderes mehr den Beweis ihres
unsterblichen Daseins (IV, 7, 20). Der Tod also ist die
Trennung der Seele vom Körper (I, 6, 6). Mit ihm geht
das Scheinbild des Körpers in die niedere Welt hinab;
die Seele aber bleibt frei im Intelligiblen, ohne etwas von
ihrer Eigentümlichkeit zu verlieren (IV, 4, 16). Darum bekämpft
Plotin auch die Auferstehungslehre der Christen.
Der Tod, so sagt er, ist das Erwachen der Seele von
ihrem Sinnenschlafe: also „ein Auferstehen vom Körper,
nicht mit dem Körper. Das Aufstehen mit dem Körper
wäre ein Hinübergehen von einem Schlafe in einen andern,
gleichsam ein blosser Wechsel des Lagers. Das wirkliche
Erwachen hingegen ist eine vollständige Trennung vom
Körper, der aus einer der Seele entgegengesetzten Natur
besteht und demgemäss das Entgegengesetzte zu seinem
Wesen hat" (III, 6, ß\

Freilich erfolgt diese vollständige Befreiung der Seele
von den Fesseln der Körperwelt nicht mit einem Male.

*) Plotin übersieht dabei, dass die Einzelseele nur in ihrem
allgemeinen Wesen, aber nicht ihrer besonderen Erscheinung
nach mit der Weltseele eins ist und dass nach seiner
anderwärts ausgesprochenen Ansicht die Besonderheit und individuelle
Beschaffenheit der Seele gerade nur auf ihrer Einschränkung
durch den Körper beruhen soll.


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