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462 Psychische Studien. XXXV. Jahrg. 8. Heft. (August 1908.)
Details; es wird davon nur en passant gesprochen, als ob
es keine Sache von Bedeutung wäre.
3. Wir haben fast einen formalen Beweis, dass die Erscheinung
eine rein subjektive war, denn die Geistlichen
sahen sie sogar in dem Augenblicke nicht, wo sie von
Regina deutlich wahrgenommen wurde. Der fünfte Abschnitt
ist in dieser Hinsicht sehr lehrreich. nDer Geist redete
Regina in einem leisen Tone an und bemerkte, dass er in
der Gegenwart anderer Personen als ihrer selbst nicht
sprechen könne.a . . . „Die Priester beschworen ihn, zu
sprechen, doch er wollte nicht antworten" . . . „Alles dies
ging zwischen dem Geist und Regina im Schlafzimmer der
letzteren vor sich und die Priester warteten ausserhalb
desselben" . . . „Die Geistlichen standen draussen vor der
Türe; sie wünschten einzutreten . ., aber der Geist verbot
ihnen diesj sie machten nochmals den Versuch, einzutreten
und der Geist verwehrte es ihnen abermals." Es ist daher
klar ersichtlich, dass die Erscheinung sich nur Regina
zeigte und dass hinsichtlich ihrer Objektivität nicht einmal
der Anfang eines Beweises vorhanden war.
B. Es können ausser der Erscheinung selbst objektive
Phänomene vorkommen. Wir werden zwischen jenen unterscheiden
, welche durch Regina's eigene Tätigkeit bewirkt
werden, und anderen, bei denen sich eine derartige Ver-
mittelung kaum voraussetzen lässt. In der ersten Gruppe
müssen wir alles unterbringen, was sich am 23. Juni in
Reginas Zimmer ereignete, während sich die Zeugen ausserhalb
desselben befanden: ein grosser Lärm, Detonationen
ähnliche Geräusche, die Anordnung der Stola, des Kruzifixes
, der Kerzen rings um die Statue der Pietfi etc. Alles
dies wurde ohne Zweifel von Regina in einem unbewussten
oder halbbewussten oder sogar, wenn wir absichtlichen Betrug
voraussetzen wollten, in einem vollbewussten Zustand«
ausgeführt.
Die Phänomene, welche sich auf den Abdruck der
feurigen Hand an dem Gewebe und auf ein Stigma in der
Eorm eines Kreuzes an der Hand beziehen, erfordern in
der Erklärung eine etwas sorgfältigere Behandlung.
Es ist gewiss nichts Unmögliches, an Papieren ein
Brandmal zu erzeugen; aber auf Stoff den Abdruck einer
Hand hervorzubringen (ob sie nun der Hand des verstorbenen
dement ähnlich war oder nicht) ist schon eine weitaus
schwierigere Sache, und es erfordert einen sehr geschickt
ausgeführten Betrug (wofern es wirklich Betrug war), auf
Leinenzeug durch eine Hand, welche den Stoff versengt,
deren Abbild zu erzeugen. Man kann, wie mich dünkt,
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