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508 Psych. Studien. XXXV. Jahrg. 9. Heft. (September 1908.)
an ihrem linken Handgelenk dünne Pinger, die kosend über
ihren Spitzenärmel strichen. Dies bemerkten auch die
Anwesenden, und einer rief: „An dem Aermel der Gräfin
wird gezupft!«
Nach einer kleinen Pause hörte man plötzlich Klopftöne
in dem kleinen Tisch, der in der Ecke stand, und dann
sahen alle, wie der Tisch sich langsam dem Zirkel näherte.
Nun kam durch Klopftöne ein anderer Name, welcher ebenfalls
der Gräfin teuer war. Auf dem Tisch lag ein Accor-
deon, das ein Gast mitgebracht hatte. Mr. Home bat die
Gräfin, das Instrument in eine Hand zu nehmen. Kaum
hatte die Dame dasselbe berührt, so erklangen süsse, langgezogene
Töne aus ihm und schliesslich kam eine militä-
riscbe Weise, — alles, während die Dame das Accordeon
mit einer Hand hielt und die Anwesenden sehen konnten,
dass Niemand sonst das Instrument berührte. Hierauf erfolgten
Worte der Liebe und des Trostes und zwar nicht
durch Klopfen, sondern durch deutliche Bewegungen des
Kleides der Dame. Alle Mitteilungen nahmen Bezug auf
einen Vorfall, den nur die nächsten Verwandten der Gräfin
kannten und den keiner der Anwesenden wissen konnte.
„ Unmittelbar nach diesen Mitteilungensagt die Gräfin,
„fielen meine Augen für einen Moment auf die schöne Rose,
welche Mme. Passerini trug. Ich sagte in Gedanken : „Wenn Du
wirklich der Spirit bist, der zu sein Du behauptest, dann
bitte hole die Rose bei Henrietta und bringe sie mir." Kaum
hatte ich dies gedacht, als allen sichtbar die grosse, nervige
Band eines Mannes die Rose ergriff und sie mir in
die Hand gab. Dies geschah nicht in Dunkelheit, auch
nicht im Zwielicht, — das Zimmer war völlig hell, die
Hände aller Anwesenden lagen auf dem Tisch und da war
in der Luft eine Hand, eine deutliche menschliche Hand,
die handeln konnte, wie die Hand eines Menschen, als sie die
sorgsam angesteckte Rose wegnahm, und die überdies von einer
Intelligenz geleitet wurde, welche eine in Gedanken gestellte
Bitte lesen konnte! Ich gebe gerne zu, dass all
dieses sehr seltsam ist, aber ich erkläre auch feierlich, dass
es wahr ist. Wir befanden uns in Gegenwart von Geschöpfen
, welche sogar unsere Gedanken lesen konnten;
sie geben die Namen von längst aus dem irdischen Leben
Geschiedenen und wissen und erwähnen nur Wenigen bekannte
Dinge t welche mit ihrem ehemaligen Erdenleben
in Verbindung* standen. Auch die übrigen Teilnehmer erhielten
Mitteilungen. Manche wurden an Dinge erinnert,
welcher sie sich nur mit Mühe erinnern konnten. So sagte
Mr. Home im Trance zu dem Chevalier SoffieUi: „Es steht
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