Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene, Bibliothek, Frei122-Z5
Aksakov, Aleksandr N. [Begr.]
Psychische Studien: monatliche Zeitschrift vorzüglich der Untersuchung der wenig gekannten Phänomene des Seelenlebens
35. Jahrgang.1908
Seite: 606
(PDF, 215 MB)
Bibliographische Information
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Parapsychologie und Grenzgebiete der Psychologie

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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/psychische_studien1908/0619
600 Ps^ch. Studien. XXXV. Jahrg. 10. Heft. ^Oktober 1908.)

düifte darin zu suchen sein, dass diese sehr verbreitete
Krankheit, an der nach der Ansicht von Möbius auch Schumann
gelitten haben soll, so schleichend beginnt, dass selbst
ein sehr gewiegter Psychiater im Beginn kaum die Grenze
zwischen Krankheit und Leichtsinn ziehen kann. Auch
sind unsere Kenntnisse über dieses Leiden noch sehr
jungen Datums.

In einem Vortrag: „ Ueber die Verkennung von
geistigen Krankheitena macht Dr. Georg Dreyfus mit
Recht auf einige wichtige Symptome aufmerksam, die ein
frühzeitiges Erkennen ermöglichen , die aber eine gewisse
psychologische Schulung erfordern, was leider bisher arg
vernachlässigt wurde: eine durchgreifende Veränderung der
Persönlichkeit, deren Gefühlsleben matter und gleichmässi-
ger wird; eine Gleichgültigkeit wichtigen Entscheidungen
gegenüber; ein sonderbares Gebahren, so dass Erwachsene
sieb so benehmen, als ob sie in den Flegel- oder Backfischjahren
wären; eine gewisse Ruhelosigkeit und Unstetigkeit,
die die Kranken zu zweck- und ziellosen Handlungen
treibt . . . Wie man sieht, lauter Symptome, die eine
Krankheit verraten, ohne dass „Wahnideen" das Individuum
in Konflikt mit der Gesellschaft bringen; Symptome, deren
Beurteilung eine genaue Kenntnis der normalen menschlichen
Psyche voraussetzt. Wie viele Menschen, die geisteskrank
sind, mögen da als gefühllos, sittlich verdorben, unverbesserlich
gelten, wie viele füllen die Gefängnisse, die
Besserungsanstalten, die Arbeitshäuser, bevor der schliesslich
hervorbrechende brutale Wahnsinn ihren Leiden ein
Ende macht!

Schon beim Militär fallen diese Kranken der eisernen
Disziplin unbarmherzig zum Opfer. Wilmanns weiss uns
davon manches zu berichten. Seine Kranken waren beim
Militär wegen Körperverletzung, Nachlässigkeit, Unordnung,
Unpünktlichkeit, Trunkenheit, Urlaubsübertretung, Schulden-
machens, Beleidigungen von Vorgesetzten, Gehorsamsverweigerung
, eigenmächtigen Entfernens aus dem Dienst stieng
bestraft worden. Darunter befanden sich Soldaten, die
schon auffallende Kennzeichen der Verblödung aufgewiesen
hatten. Man sieht, wie wichtig eine gründliche psychiatrische
Bildung der Regimentsärzte und selbst der Offiziere
ist. Wissen wir doch heute, dass die meisten Fälle von
Fahnenflucht im epileptischen Delirium begangen werden, dass
die Aermsten ihre Krankheit mit jahrelanger Kerkerhaft
büssen müssen. Aber auch die Dementia praecox kann
sich auf dieselbe Weise äussern. Wilmanns sagt: „Diese
aktive Neigung zur Vagabondage, das triebartige Fortlaufen


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