Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene, Bibliothek, Frei122-Z5
Aksakov, Aleksandr N. [Begr.]
Psychische Studien: monatliche Zeitschrift vorzüglich der Untersuchung der wenig gekannten Phänomene des Seelenlebens
35. Jahrgang.1908
Seite: 651
(PDF, 215 MB)
Bibliographische Information
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Reinke: Der heutige Stand der Abstammungslehre. 651

in der Naturforschung wurzelt, weit, mehr durch Spekulation
und Phantasie aufgebaut wurde als durch Erfahrung*
Die Philosophie aber arbeitet mit Möglichkeiten und mit
Hypothesen, die Naturforschung mit Tatsachen. Die. Naturforschung
stellt sich die Aufgabe, aus der Natur lösbare
Probleme herauszuschälen, und diese durch Erfahrung zu
erforschen. Die Philosophie hat es grossenteils mit unlösbaren
Problemen zu tun; auch das erfahrungsmässig Un-
erforschlicbe zieht sie in den Kreis ihrer Betrachtung.
Daher sind in bezug auf die tatsächlichen Ergebnisse der
Naturforschung alle einig, während in bezug auf das naturphilosophische
Weltbild die grösste Meinungsverschiedenheit
besteht. Wer aber wollte bezweifein, dass unter den
geistigen Gütern der Menschheit diejenigen von grösserem
Werte sind, um die kein Streit herrscht?! Dies schliesst
nicht aus, dass die Menschen das Bestreitbare und das
Bestrittene viel interessanter finden als das Gewisse.

Ich will den Wert der spekulativen Naturbetrachtung
durch obige Aeusserung nicht herabsetzen. Denn wozu
hätten wir die Vernunft, wenn wir uns ihrer nicht als
eines Flügelpaares bedienen wollten, um uns von dem Boden
der Erfahrungstatsachen zu den Höhen einer umfassenden
Weltanschauung hinaufzuschwingen? Dies zu tun, ist nicht
nur menschlich, sondern es gehört ohne Zweifel zu den
dem Menschengeiste gestellten Aufgaben. Man kann die
Richtigkeit des Satzes einräumen, dass Wissen besser sei
als Glauben, — wobei hier vom religiösen Glauben natürlich
ganz abgesehen wird; aber darum braucht man das
naturphilosophische Glauben noch nicht gering zu schätzen.
Der Unterschied zwischen einer unkritischen und einer
kritischen Naturphilosophie zeigt sich aber gerade darin,
dass erstere immer Wissen und Glauben miteinander vermengt
und verwechselt, während die letztere sorgfältig zu
unterscheiden sucht, was wir wissen und was wir glauben,
was Tatsache und was Hypothese ist. Gerade auf dem
Gebiete der Abstammungslehre ist man während der letzten
Zeit in dieser Hinsicht sehr kritisch geworden, wenn es
auch unter den ernst zu nehmenden Schriftstellern auf
diesem Gebiete nicht wenige gibt, denen immer die Hypothesen
mit dem Wissen durchgehen. Ich nenne nur August
Weismann, —

Wenn man sich die von manchen Abstammungs-Theoretikern
konstruierten Stammbäume der Entwicklung des
Tier- und Pflanzenreiches einmal ansieht, kann man sich
des Kopfschütteins nicht erwehren. In jedem einzelnen
Falle handelt es sich da nur um eine Zusammenstellung


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