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670 Psych. Studien. XXXV. Jahrg. 11. Heft. (November 1908.)
junge Herr, den Sie zum Essen eingeladen haben, kann
leider nicht kommen, er ist nicht ganz wohl." Auf beiden
Seiten natürlich erstaunte Gesichter, besonders bei dem
Freund meines Sohnes, der von Doppelgängerei noch nichts
gehört hatte. Leider unterliessen es die beiden, den roten
Radier ausfindig zu machen, der den Auftrag überbracht
hat, was ja nicht gerade schwierig gewesen wäre. Sicherlich
hätte dieser den „jungen Herrn", der ihm den Auftrag
gab, wieder erkannt und auch bestätigt, dass er die üblichen
50 Pfg. für den Gang erhalten hat. Ich selbst erfuhr die
Sache leider zu spät, sonst hätte ich das Versäumte nachholen
lassen. Aber so gehört dieser Fall zu den nicht genügend
kontrollierten, wird aber immerhin, wenn er sich
auch wissenschaftlich nicht wird verwerteu lassen, das Interesse
Ihres Leserkreises beanspruchen dürfen. — Bemerken
will ich noch, dass vor etwa 30 Jahren in meiner Familie
schon einmal ein Doppelgänger konstatiert wurde, und
jenem Ereignis habe ich es eigentlich zu verdanken, dass
ich für die den Spiritismus betreffenden Fragen empfänglich
geworden bin. Mit vorzüglicher Hochachtung Georg
Sinner."
c) Schwarze Magie. Zu dem Artikel im Oktoberheft
„Okkultismus in West-Afrikatf schreibt uns Herr Äug.
Zöppritz, dat. Stuttgart, 20. X. er., dass doch sicher Aehn-
liches noch vor drei bis vier Jahrhunderten in Europa existiert
und Anlass zu den — freilich schauderhaft übertriebenen
— Hexenverfolgungen gegeben hat. Es
ist , schwarze Magie",, die auch heutzutage noch
nicht ganz ausgestorben ist, wie jeder weiss, der sich ernstlich
mit dergleichen befasst hat. So bringt das „Echo
du Merveilleux" vom 15. IX. er. nachfolgenden Bericht:
Herr Andre Nervin berichtet aus Dakar (West - Afrika):
Schwarzkünstler („necromants"), Weissager, Hexen, Gedankenleser
. Seher und Hellseher üben hier nicht nur die
Manipulationen aus, die (bei uns) im Mittelalter bekannt
waren, sondern auch solche, die gegenwärtig beachtet
werden. Em Zauberer aus meiner Bekanntschaft verlässt
seinen irdischen Leib so oft es ihm beliebt und erzählt von
seinen Reisen in der „ Astralebene" die gewonnenen Eindrücke,
die in jeder Beziehung denen gleichen, über welche Herr
Pierre Piobb im „Echo du Merveilleux" vom 15. Juni 1907
berichtete." — Ferner: „Eine junge, katholisch gewordene
Negerin („Gourmette") siechte zusehends dahin, konnte
keine Nahrung ertragen, fand keinen Schlaf mehr und fiel
öfters in beunruhigende Zustände. Ihre Eltern kannten
die Ursache: das Mädchen hatte sich geweigert, einen
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