http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/psychische_studien1908/0731
716 Psych. Studien. XXXV. Jahrg. 12. Heft. (Dezember 1908.)
Der herrschenden energetischen Weltanschauung haben
wir den Sturz des Materialismus zu verdanken; aber der
Metaphysik kann auch sie nicht entraten, ohne in Materialismus
zurückzufallen. Sie ist nicht das letzte.
In den Oberbegriff „Arbeit" kann auch das unmessbare
Geistige einbezogen, niemals aber weder Messbares in Un-
messbares, extensive Arbeit in geistigen Inhalt verwandelt
werden, noch umgekehrt. Die geistigen Kräfte bleiben
für sich bestehen, der Kraftbegriff kann nicht in den Begriff
extensiver Energie aufgehen, daher kann sie nicht
substanzialisiert werden. In Zeit und Raum ist mehr vorhanden
als Energie.
Die geistigen Kräfte bedürfen extensiver Energien, um
sich chemisch - physikalisch äussern zu können. Das wird
das Untersuchungsfeld der Zukunft sein. Das Zusammenwirken
von unmessbarem Intensivem und messbarem Extensivem
, von dem uns das Leben Kunde gibt, lässt sich
weder durch den Substanzbegrift noch durch den psy-
chophysischen Parallelismus ausreichend erklären. Den
schöpferischen Geist iür eine ÄEdelenergiea zu erklären ist
eine Majestätsbeleidigung der Weltvernunft und eine
Bankerotterklärung menschlicher Vernunft. Für die extensive
Energie gilt der Satz von ihrer zunehmenden Zerstreuung
oder Entwertung, die unmessbaren geistigen Arbeitskräfte
sind, wie die Entwicklungsgeschichte zeigt, allzeit
Mehrer ihres Reiches, das wir Leben nennen.
Philosophie und was dazu gehört.
Von Dr. phil., med., scient et lit. Eduard Reich
zu Nieuport-Bains in Belgien.
Man streitet um Begriff und Grenzen von Philosophie
und Wissenschaft; einige bemooste Häupter waren so unklug
, aus der Philosophie eine Wissenschaft zu drehen, aber
so weise, das Drehen der Wissenschaft aus Philosophie zu
unterlassen. Ich kann nicht umhin, Wissenschaft mit Kenntnis
und Philosophie mit Erkenntnis zu identifizieren; demnach
muss Wissenschaft dort scbliessen, wo Philosophie
anfängt. Und da Kenntnis nur erworben wird, um zu Erkenntnis
zu gelangen, so muss notwendig jederzeit Wissenschaft
der Philosophie dienstbar sein, und muss das Licht
der Weltweisheit die Gegenden und Erzminen der Wissenschaft
erleuchten. Es gibt somit keine wissenschaftliche,
sondern nur eine einzige, erkennende Philosophie. Und die
Gegenstände der Kenntnis, aus welchen die Philosophie
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/psychische_studien1908/0731