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788 Psych. Studien. XXXV. Jahrg. 12. Heft. (Dezember 1908)
rief mit leiser Stimme: „O Mama, Mama! Ich sehe den
Weg — strahlend — leuchtend." .Damit trat der Tod ein;
die Helle erhob sich und verschwand, als sie den Plafond
erreichte. Es war 2% Uhr früh. Da trat der Kapitän mit
zwei Offizieren und zwei Bediensteten ein und sagte:
„DoktorI Ich glaube weder an Geister, noch an Phantome
, aber was ich und diese Männer gesehen haben, war
so reell und so klar, dass eine Täuschung ausgeschlossen
ist: es war eine leuchtende blaue Kugel., wie etwa ein St.
Elmsfeuer über unseren Köpfen im Rauchzimmer, zog sich
gegen die Tür und verschwand. Sobald sie verschwunden
war, sagte ich: „Kameraden! Unser kleines Mädchen ist
gestorben."" Das Merkwürdigste ist, dass der dritte Lieutenant
, der allein auf Deck war, ein glänzendes Licht an dem
Mäste herunter kommen und auf Deck verschwinden sah;
kurz darauf kam es wieder, stieg längs des Mastes in die
Höhe, um höher steigend in den Wolken zu verschwinden."
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e) Dr. Hans Hänel: Das Problem der Ver-
grösserung der Gestirne am Horizonte.
(Vortrag, gehalten in der Naturforschenden Gesellschaft
Isis, Sektion für Physik, Chemie und Physiologie.) Die
Frage: Weshalb ist der Mond am Horizonte vergrössert?,
beschäftigt die Menschen seit den ältesten Zeiten. Von
Ptolemäus und Aristoteles an, von den alten arabischen Astronomen
bis auf die jüngste Gegenwart sind Erklärungen und
Theorien darüber aufgestellt worden; ihre grosse Zahl beweist
nur, dass keine bisher voll befriedigte, keine die Frage
endgültig gelöst hat. Der Vortragende stellte die hauptsächlichen
Gruppen dieser Theorien kurz dar. Zugrunde
gelegt muss die Tatsache werden, dass das Phänomen kein
physikalisches ist: mit optischen Instrumenten gemessen beträgt
die Grösse des Mondes stets ca. 31 Minuten. Alle
Theorien, die eine tatsächliche vergrössernde Wirkung der
Luftschichten am Horizonte annehmen, erledigen sich damit
. Es handelt sich um eine optische Täuschung im
engeren Sinne, um eine Urteilstäuschung. Die meisten
Theorien gehen auch in der Tat hiervon aus. Die naheliegende
Eiklärung, die die Täuschung auf einen Vergleich
mit den entfernten irdischen Gegenständen zurückführt, ist
unzureichend, weil sie nicht für alle Fälle stimmt, zum
Beispiel nicht, wenn der Mond über einer hohen Bergwand
aufgeht. Die Lichtschwäche und die gelbrote Farbe am
Horizonte kann nicht die Ursache sein, weil eine künstliche
Abschwächung und -Tönung durch gefärbte Gläser das Gestirn
im Zenith nicht vergrössert. Gegen andere Theorien
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