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Tisohner: Heinrich Bruno Schindler.
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fernt von jenem üblen und faden Nachgeschmack, den so manche
auf ähnlichem Gebiet sich versuchende Bücher hinterlassen.
Doch nun zu dem eigentlichen sachlichen Anlaß dieser Zeilen,
zur Frage nach den Geheimnissen von Raum und Zeit, Welt
und Gott. Im Augustheft 1920 der „Pyschischen Studien44 hatte
ich als Ergebnis meines Forschens dargestellt, daß das Wesen
der Welt der Erscheinung nichts anderes als Bewegung sei,
Bewegung als der äußeren Erscheinungs- und Darstellungsform
innerer Vorgänge; und hatte in dem späteren Aufsatze: „Leib
und Seele im Kosmos der Weit46 (inzwischen erschienen im
April-Mai-Heft 1921) näher ausgeführt, daß „reiner44 Geist im
Sinne des Fehlens jeder Art von Erscheinung, von Materie,
Stoff, nicht denkbar sei, also auch Gott eine solche Form, ein
solches Kleid haben müsse, den Urquell, die Sonne darstellend,
aus der die Welten und Räume sich gebären . . .
Und nun äußert sich hierüber „Emanuel44 wie folgt:
„Wir sprechen daher von der Vergeistigung der Materie ah
Endziel der Schaffung . . . Das Urlicht Gottes ist seine
Materie44. Und etwas weiter unten: „Indem das Geistwesen
sich durchringt zu reinerer Erkenntnis, zu mächtigerer Liebe
und dadurch zu größerer Freiheit . ♦ . erfüllt es seinen Zweck in
der Vergeistigung der Materie. Diese Vergeistigung ist nur eine
Folge einer fortschreitenden geistigen Reife, wie alle Erscheinungsform
und Möglichkeit derselben nur Folge ist der Bewegung,
welche eine Folge ist des Urlebens — Gott.44 (S. 53.) Und
wieder an anderer Stelle (S. 220): „Ganz ohne Erscheinungsform
, ohne äußeres Gepräge ... ist kein Geist. Gottes Hülle
oder Erscheinungsform oder das Stoffliche Gottes ist Urlicht . . ,
und Gott der Mittelpunkt, von welchem . . . Schöpfungkraft
ausgestrahlt ist.44
Sollte ich nun, der ich zu ganz gleichen Ergebnissen des
Forschens und Denkens gekommen war, mich nicht dieses
merkwürdigen Zeugen freuen dürfen und nur um so fester des
Glaubens, ja der sicheren Erkenntnis leben, daß uns der Welten
Wesen und tiefster Sinn -nicht länger unzugänglich in Finsternis
und Ferne verborgen sei? —
Heinrich Bruno Schindler«
Von Dr. med. Rudolf Tischner, München.
Meine Anregung wegen genauerer Angaben über das Leben
von Schindler ist insofern schon von Erfolg gewesen, als Herr
Dr. Lecke vom „Auskunftsbureau deutscher Bibliotheken" die
Liebenswürdigkeit hatte, mich darauf aufmerksam zu machen, daß
in der „Allgemeinen Deutschen Biographie", im „Biographischen
Lexikon hervorragender Aerzte'* und an anderen Stellen sich Notizen
über Schindler fänden. Man sieht also, wie wenig man sich
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