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* Kurze Notizen. 463
Ihnen, Herrn Dr. Böhm und der Vorstandschaft der Gesellschaft
geführte Briefwechsel vorgelegt wurde, einstimmig zum ersten Vor-
sitzenden wieder gewählt worden ist. Damit ist die Frage bezgl. der
Stellung des Herrn Dr. Böhm in der Gesellschaft entschieden und
ein weiteres Eingehen darauf erscheint u. E. überflössig. Man war
jedoch einmütig der Auffassung, dass Herr Dr. Böhm trotz der Kritik,
der er sich durch sein öffentliches Auftreten aussetzte, nach wie
vor ein Anrecht auf seine Stellung im Verein habe, nicht nur weil
er denselben gegründet und ausserordentlich viel Zeit und Mühe dafür
aufgewandt hat, sondern auch weil er gerade durch sein öffentliches
Auftreten in Schrift und Wort vielfach mit Erfolg die zahlreichen
Auswüchse auf dem in Frage stehenden Gebiete stets energisch bekämpft
hat. So hat er z. B. Behörden und Publikum immer und immer
auf die Gefahren hingewiesen, die mit der kritiklosen Beschäftigung
des Hypnotismus, Wachsuggestfon, Tischrücken, spiritistischer Sitzungen
und dergleichen verbunden sind und vor der Ausbreitung dieser Dinge
im Interesse der Sensation und des Geldbeutels gewarnt. Auf da&
Unbewiesene der Geisterhypothese bei den spiritistischen Phänomenen
hat er bei jeder Gelegenheit hingewiesen und stets die Notwendigkeit
betont, den höchstversehiedenartigen — bei solchen Versuchen zu
Tage kommenden Aeusserungen des Tisches, Mediums etc. mit schärfster
Kritik zu begegnen, und zwar davor sich zu hüten, sie als Aeusserungen
übermenschlicher Intelligenzen aufzufassen. Er ist vielmehr
der festen Üeberzeugung, dass fast oder alle solche Äusserungen dem
Unterbewusstsein der Sitzungsteilnehmer entstammen und hat diese
Auffassung auch stets vertreten. -*
Es darf nicht unerwähnt bleiben, dass von „berufener11 Seite gegenüber
allem sich auf dem in Frage stehenden Gebiete breit machenden
Schwindel und gemeingefährlichen Aufreizungen des Sensationsbedüif-
nisses des breiten Publikums so gut wie gar nichts geschah, ebenso
wenig, wie man auch das wirklich Tatsächliche an diesen Erscheinungen
nicht erkannte und untersuchte und dass Heir Dr. Böhm
das Verdienst gebührt, durch sein ausdauerndes Bemühen, alle diese
Erscheinungen auf natürliche Weise zu erklären, beruhigend auf das
Publikum gewirkt zu haben. Dies geht auch daraus hervor, dass er
von Bürgermeistern, Bezirksärzten und sonstigen führenden Persönlichkeiten
an Orten, in denen das Unwesen des Hypnotismus und des
Spiritismus sich besonders breit gemacht hatte, zur Abhaltung öffentlicher
Vorträge mehrfach aufgefordert wurde. Wenn die Herren, die
jetzt so scharfe Kritik an seinem öffentlichen Auftreten üben, das
offenbar derselben guten Absicht für das öffentliche Wohl entspringt,
die auch seinen Gegnern zugestanden werden soll und die ihm
ausserordentlich Zeit und Mühe gekostet hat, auch nur einem Teil
dieser Mühe dem Studium der fraglichen Erscheinungen gewidmet
hätten, dann wäre vielleicht das Interesse der Wissenschaft besser gewahrt
worden, als durch unfruchtbaren Streit im eigenen Lager, bei dem das
ungebildete Publikum lediglich der tertius gaudens ist. Im Hinblick
auf diese Tatsache hat es die Mehrzahl der gestern anwesenden
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