Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene, Bibliothek, Frei122-Z5
Aksakov, Aleksandr N. [Begr.]
Psychische Studien: monatliche Zeitschrift vorzüglich der Untersuchung der wenig gekannten Phänomene des Seelenlebens
48. Jahrgang.1921
Seite: 491
(PDF, 212 MB)
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Neumann: Der Sitz der Seele. 491

muß auch die Seele in der Einzelperson sterben, wenn der Organismus
tot isL Beweise, daß die Seele als solche weiterlebt,
nachdem der Körper tot ist, lassen sich nicht geben. Diese Tatsache
ist bis jetzt auch nicht umgestoßen worden, und es läßt
sich doch ohne weiteres einsehen, daß das, was wir Seele nennen,
an ein körperliches reales Substrat gebunden sein muß. Wir
dringen darauf, daß Phantasieprodukte cburch den Verstand korrigiert
werden. Phantasie und Verstand sind Gegner und machen
sich stets ihr Gebiet streitig. Mag die Phantasie über den Sitz
der Seele ihre Sprünge machen, der Verstand muß diese Sprünge
leiten und revidieren.

Bei der Frage, was aus der Seele wird, wenn der Körper tot
ist, hat man sich mit allerhand Erklärungen beholfen. Die Er«
klärungen selbst und die Tatsache, daß man sich mit solchen
Erklärungen behalf, beweisen an sich, daß «man sich einen Sitz
der Seele vorstellt. In welchen Zustand die Seele übergeht, das
wissen wir nicht. Ich will den vielen Erklärungen keine neue
hinzufügen. Die vielen Erklärungen beweisen an sich, daß wir
nicht wissen, nicht sicher wissen! Die Frage ist durchaus
berechtige, warum derjenige die Fortdauer der Seele leugnet,
dem die Fortdauer des Stoffes klar ist. Ist der Stoff an sich
unzerstörbar, wenn er auch andere Formen annimmt, so ist auch
die Seele unzerstörbar und kann andere Formen annehmen. Ist
das Gesetz von der Erhaltung des Stoffes richtig, warum soll das
Gesetz nicht für die geistige Welt gelten? Man kann an die
Unsterblichkeit der Seele glauben, auch ohne zu wissen, in
welchem Zustand isie den Körper verläßt. Ist der Stoff unzerstörbar
, so ist auch die Nervensubstanz unzerstörbar. Die Seele
ist an die Nervensubstanz gebunden, geht mit ihr unter und
baut sich mit ihr wieder auf. Die Seele muß aber an etwas
Stoffliches gebunden sein. Wir können uns keine absolute
Seelenkraft als körperlos vorstellen. Es gibt keine Kraft ohne
Stoff, oder wir müssen darauf verzichten, zu sagen, was Kraft
und Stoff sind. Das wollen wir aber nicht. Wir halten an der
Kraft fest wie am Stoff. Frei von allen spekulativen und metaphysischen
Ideen wollen wir den Sitz der Seele ergründen. Entweder
müssen wir sagen, wir wissen es nicht, oder wir müssen
sagen, daß die Seele an den Stoff gebunden ist, den wir Nerven-
substanz nennen. Mehr wissen wir nicht. Eine eigene Seelensubstanz
können wir nicht annehmen. Sie widerspricht jeder
Erfahrung. Die Möglichkeit eines isolierten Fortlebens der Seele
nach dem Tode ist eine dogmatisch-religiöse Vorstellung. Wer
sich das den Toten verlassende Leben als Substanz vorstellt, dem
mag es unbenommen sein, aber über Sitz der Seele und Zustand
wird er nichts berichten können.

Modernes wissenschaftliches Denken betont die Einheit von
Leib und Seele, ohne daß man zu einem Ätherleib oder Astralleib
seine Zuflucht zu nehmen braucht. Wir wissen, daß die


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