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Literaturbericht. 525
Hans Freimark, Das Tisch rücken, seine geschichtliche Enf>
Wicklung und seine Bedeutung. Dargestellt nach den neuesten Forschungsergebnissen
. Heft 21/22 der „Okkulten Welt", Pfullingen 1921.
Unter den interessanten Heften der „Okkulten Weltu nimmt Hans
Freimarks „Das Tfcchrüeken" (Heft 21/22) eine ganz hervorragende
Stelle ein.
In einer ausführlichen, durch reiche Zitate illustrierten Einleitung
gibt er zunächst eine Geschichte des wahrsagenden Tisches von den
assyrischen Kugeln der Hekate an; Strabo und Tertulliian berichten, wie
in Persien und Kleinasden verfahren wird. Kirchers Rad wird genau
beschrieben und der denkwürdige Prozeß der Theurgen Patriems und
Hilarius ausführlich geschildert. Die Wahrsagetische der Brahmanen
und die der Lampriester Tibets werden in gleicher Weise behandelt. Bei
den Medizinmännern Kanadas werden statt der Tische die ganzen
Wigwams in Bewegung gesetzt und damit Antworten auf Fragen erhalten
. Steine dienten den keltischen Druiden zu ihren analogen
Orakeln — bemerkt sei, daß ein solcher Stein noch heute in der Gegend
von Möns (im Hennegau, Belgien) in alter Weise zu Rate gezogen wird,
d. h. vor Ausbruch de^ Krieges es wurde.
Die Schildeiung der Ereignisse von Hydesville und Rochester lei/ten*
zu den heute üblichen Befragungen über, und der ersten stattgehabten
Spiritistensitzung wird eingehendst gedacht. Die epidemische Verbreitung
der „Tisehrückeritis" wird eranz ausführlich gegeben. Die Crookes-
Homeschen Experimente, ebenso diejenigen von Chambers und Butlerow
werden mit allen Nebenumständen so besprochen, daß ein Fernstehender
sieh ein objektiv klares Bild von denselben machen kann.
Die verschiedenen Theorien, die zur Erkläiung der Levitationen usw.
aufgestellt wurden, erörtert Freimark in klarer Sprache, es ist eine
wahre Freude, sich mit dem Werkchen zu beschäftigen, das ich nicht anstehe
als die übersichtlichste und vollkommenste Darstellung diese*
ganzen Gebietes zu bezeichnen. Dem Tischrücken verwandte Erscheinungen
, wie der sogenannte Spul?, werden erörtert, und ist den Erklärungen
Freimarks fast rückhaltlos zuzustimmen. Er betrachtet dies«
Phänomene als typische Veränderungen in der Bewußtseinslage der
bei den Versuchen beteiligten Personen. Gespannte Erwartung der
Dinge, die da kommen sollen, ist für das Zustandekommen der Erscheinungen
nicht vorteilhaft. Am besten gelingen die Erscheinungen, wenn
ein lässiges Sichüberlassen das Oberbewußtsein einschläfert und das
Unterbewußtsein mit seinen noch vielen unerforschten Kräften freilegt.
Freimark steht nicht an, das Tischrücken geradezu als ein Mittel zur
Eizeugung eines künstlichen und willkürlichen Traumes (bzw. Tramn-
zustandes.) zu bezeichnen — dem ist beizustimmen.
Prof. Lehmanns Experimente zur Mechanik des Tischrückens weiden
ebenso wie die Veisuche Dr. Berthofs ausführlich bebandelt (vergl. Psvch.
Stud. 1920, Heft 2/3). Die psychische Beeinflussung des Tisches duren
den Leiter der Beisitzer steht für die Orakelantworten fest. Nur was er
weiß, kann der Tisch ausdrücken. Ein gleiches gilt für den Pendler bei
analogen Versuchen. Natürlich kann sich das alles gänzlich im.
bewußt vollziehen, und braucht man nicht von Betrug und ähnlichem
zu reden. Die hochinteressanten Exkurse Freimarks sind im Originale
nachzulesen, es würde an dieser Stelle einen zu großen Raum einnehmen,
sie auch nur in kürzestem Auszuge wiederzuigeben.
Im weiteren Verlaufe werden die Arbeiten des Berichterstatters m
ausgedehntem Maße zur Anbahnung eines Verstehens der Vorgänge
herangezogen (vergl. P^ych. Stud. 1919, Heft 9, 10/11 und 12, Biostrahlenkraft
) und die neuesten Arbeiten Grunewalds, Schrenck-Notzings und
Crawfords gewürdigt.
Freimark schließt mit dem Bekenntnisse, daß duich alle dies.,«
Arbeiten die so wunderbar anmutenden Vorgänge beim Tisehrücke-
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