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und der tympanalen Zellenschicht (tb) bekommen. Das Vas Spirale ist in der Spitzenwindung nur als ganz verkümmertes
Gefäss (vs) vorhanden, und in den anderen Windungen hat ein spiraler Wulst (vs1) seinen Platz auf
der unteren Seite der Membrana basilaris eingenommen.

In dem hierauf anzuführenden Stadium, vom 14 Tage alten Kaninchenjungen (Taf. XXII & XXIII Fig. F.
2: Mittelwindung; Fig. F3: Spitzenwindung), ist die Papilla basilaris fast vollständig entwickelt, und ihre Bauverhältnisse
stimmen deshalb mit der oben gegebenen ausführlichen Beschreibung überein. Von der Anheftung der
über die äusseren Haarzellen hinausragenden Membrana tectoria (mc) sind, wie im vorigen Stadium, noch Beste
übrig, indem Stücke der geborstenen Fasern am Aussenrande der oberen Fläche der Membran anhaften und an
den Phalangen der äussersten Eeihe der Deitersschen Zellen die entsprechenden Faserstücke in Gestalt heller
weicher Fasern (mcf) noch ansitzen; später schwinden diese letzteren Faserreste (Fig. F. 2). Die der Membran
anhaftenden Faserstücke legen sich nach innen um und haften ihrer Oberfläche an.

Endlich habe ich von einem 1 Monat alten Kaninchen eine Abbildung (Taf. XXII & XXIII Fig. Gr 2)
mitgetheilt, um eine Frage zu berühren, die bisher sehr zweifelhaft erschien. Im Sulcus spir. externus beschrieb
Boettcher an der vestibulären Fläche der Basilarmembran, dicht an ihr und von eigentlichen Epithelzellen bedeckt,
eine Schicht eigenthümlicher, kleiner, feinkörniger, nicht scharf begrenzter Zellen (s. Boettcher's »Ueber Ent-
wick. u. Bau d. Gehörlab.» 1869, Taf. IX Fig. 33 n, 34 h; von der Katze); Boettcher sagt, »weitere Untersuchungen
werden über diese vorläufig räthselhaften Formelemente zu entscheiden haben». Meine Präparate weisen
nun darauf hin, dass diese Boettcherschen Zellen nur körnig (in mehr embryonalem Zustande) gebliebene, nicht
anschwellende Epithelzellen sind (Fig. G 2 B z, aus der Grenzgegend der Mittel windung gegen die Basalwindung),
deren Grenzen weniger scharf, aber doch ganz deutlich hervortreten; über sie biegen dann von innen und von
aussen her die stark anschwellenden Nachbarzellen hinüber und lagern sich auf ihnen, bedecken sie vollständig
und verleihen ihnen durch die stark contrastirende Grösse und Gestalt ein noch mehr eigenthümliches Aussehen
, indem sie, gleichsam unter ihnen begraben, als einfache körnige Schicht der Basilarmembran eng anliegen.

Nach dieser übersichtlichen Darstellung der Entwickelung der die Papilla ac. basilaris zusammensetzenden
Gebilde bleibt nur noch übrig, die durch Hensen angeregte Frage über die »Wanderung» oder Verschiebung der
Cortisonen Pfeiler während der Entwickelung und einige damit zusammenhängende Fragen zu besprechen. Aus
der Geschichte stelle ich die bezüglichen, etwas divergirenden Angaben Hensen's und Boettcher's hier zusammen.
Nachdem zuerst Kölliker gezeigt hatte, dass die Zellen, aus denen die Pfeiler gebildet werden, anfangs steil neben
einander stehen, später aber mit ihrer Grundfläche aus einander rücken, so zeigte (1863) Hensen durch Messungen
am Ochsen, dass, während die Habenula perforata sich nicht verschiebt, sondern als Punctum fixum zu betrachten
ist, die Pfeilerzellen sich in der Weise verschieben, dass die innere Zelle, welche ursprünglich keine besonders
breite Basis hat, sich später nach rückwärts zu verbreitert und sich allmälig bis zu den Löchern der Habenula
hin erstreckt; die äussere Pfeilerzelle dagegen sei nach Hensen — mit Ausnahme am Hamulus, wo sie ein wenig
nach aussen geht — nicht nach aussen vorgerückt, sondern rücke im Gegentheil selbst nach innen; dies Verhält-
niss fand sich aber nur unmittelbar an der Eadix vor, in den mittleren Windungen wird wahrscheinlich die äussere
Zelle unverrückt stehen bleiben. Das Auseinanderrücken der Pfeiler ist nach Hensen ein eigenthümlicher
tendentiöser Proeess, durch welchen die Papille erst unter die Membrana Corti gelangt. Diese Thatsachen wurden
im Ganzen von Middendorp bestätigt. Dann hat Boettcher (1869) die Frage besprochen und durch Mes-
v sungen verdeutlicht; der Abstand zwischen der Habenula perforata und dem Fusse des ersten Pfeilers ist nach
ihm noch bei neugeborenen Hunden recht bedeutend und zwar oben an der Spitze, wo die Entwickelung am meisten
zurück ist, am beträchtlichsten, weiter abwärts geringer; das Ende des inneren Pfeilers rückt allmälig nach
innen, während das Fussstück des äusseren Pfeilers sich nach aussen begiebt. W"as die Spannweite des Bogens
(mit Einschluss der Enden beider Pfeiler) betrifft, so zeigt sich hier bei erwachsenen Thieren eine continuirliche
Abnahme von oben nach abwärts; beim neugeborenen Hunde zeigt sich dagegen im Ganzen das umgekehrte Ver-
hältniss, weil der Bogen, je mehr nach oben hin, noch im W^achsthum begriffen ist. Die innere Bogenfaser ist
anfangs länger als die äussere, dann werden sie einander gleich, schliesslich aber überwiegt letztere. Ferner fand
Boettcher (1872) durch Messungen beim 11 Cm. langen Katzenembryo und beim erwachsenen Thiere »grade umgekehrt
wie Hensen, dass am Hamulus die äussere Bogenfaser sich um ein dreimal grösseres Stück nach aussen
zu verschieben hat, als die innere nach innen, und dass demnach von einem Nachinnenrücken der Bogenhöhe und


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