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bei ihm ein dünnwandiger, mehr oder minder complicirt gefalteter Saek bilden, der seinen Ausgangspunkt über
und hinter der Hypophyse hätte.»
Nun findet sich in der That, wie oben angegeben wurde, und zwar nicht nur in den ersten Wochen des
Embryonallebens, sondern während des ganzen Foetallebens und des ganzen extrauterinen Lebens, an der fraglichen
Stelle eine, wie ich nachgewiesen habe, mehr oder weniger ausgesprochene Aussackung, obwohl sie stets rudimentär
bleibt und eine stärkere Ausbildung, wie bei den Fischen, nicht darbietet. Da ihre Wand stets dünn,
meistens sogar membranös, häutchenartig und im frischen Zustande sogar durchsichtig ist, wird die Aussackung
der Eininentia saccularis an der Innenfläche von einer Concavität entsprochen. Der Boden des dritten Hirnventrikels
bietet also nach vorn von den Corpora mammillaria eine kleine Ausbuchtung, einen Recessus saccularis,
dar, Avas besonders deutlich an Medianschnitten des Gehirns ersichtlich ist. Diese Ausbuchtung ist schon in
mehreren His'schcn Abbildungen des embryonalen Menschengehirns aus dem 2. Monate angegeben und lässt sich
durch das ganze Foetalleben und, mehr oder weniger deutlich, auch an den Gehirnen von Kindern und Erwachsenen
demonstriren. Was die Eininentia und den Recessus saccularis bei den letzteren betrifft, so komme
ich weiter hinten darauf zurück.
Die Gestalt der Eininentia saccularis (Taf. XXXIII, Fig. 1—5) ist, wie ich in meiner früheren Schrift hervorgehoben
habe, die eines Kleeblattes mit einer kurzen, nach hinten sich zwischen die Corpora mammillaria hineinschiebenden,
etwas nach unten gebogenen Spitze, Processus intermammiliaris, welche-oft von einem Blutgefässe durchlöchert
ist und beim Abziehen der Pia leicht einreisst; nach den beiden Seiten hin zieht jederseits eine Ala lateralis,
welche sich früher oder später an der Oberfläche des Tuber cinereum verliert; diese beiden Seitenprocesse sind
symmetrisch und laufen in der Regel ungespalten, zuweilen aber in radienartige Streifen getheilt aus (Fig. 4
d. Taf. XXXIII). Nach vorn hin geht endlich ein vierter Fortsatz, Processus anterior, ab, welcher einem Stiele
gleichend, medianwärts nach dem Ansätze des Hypophysenstieles zieht, in der Regel ohne ihn zu erreichen. Dieser
etwas breiter auslaufende Fortsatz umfasst aber zuweilen die Ansatzstelle des Hypophysenstiels wie ein Kragen
(Fig. 4 der Taf. XXXIII). Dieser letztere Stiel zeigt gleich nach seinem Abgange eine bulbäre Ausbuchtung, Bulbus
infundibuli (oder, vielleicht richtiger, Bulbus 2)rocessus JSfeuro-Hypophysis), an welcher man ausserdem sehr oft
eine vordere und eine etwas grössere hintere Abtheilung (Fig. 4 der Taf. XXXIII) unterscheiden kann, die zuweilen
eine selbstständige kleine Aussackung bildet.
Zu beiden Seiten der Eminentia saccularis erhebt sich in der Regel am Tuber cinereum je ein Hügel, der
als Homologon des Lobus inferior der Fische aufzufassen ist. His hat schon bei Embryonen aus dem 2. Monat
darauf aufmerksam gemacht, dass die Homologa dieser Theile hier zu suchen sind. Bei der Besprechung der
Verhältnisse bei den Erwachsenen werde ich auf diese Frage zurückkommen und dabei auch andere Theile des
Tuber cinereum und der Corpora mammillaria behandeln.
3. Der Olfactorius und seine Wurzelwindungen.
Was die erste Entwicklung des Bulbus und Tractus olfactorius betrifft, so ist dieselbe durch die schönen
Untersuchungen von v. Miiialkovics, v. Kölliker und His eruirt worden, zu denen ich nichts hinzuzufügen habe.
Auf der Tafel I in den Fig. 14, 15, 18, 19, 22, 23, 27, 28, 32, 33, 37, 38, 42 und 43, ebenso auf der Taf. II
in den Fig. 2, 3, 6, 7, 11 und 12 kann man in Ansichten von unten und von der Seite die in dem 3.
und 4. Monate stattfindende Formentwicklung dieser Theile verfolgen. Die Fig. 14, 22, 32 etc. der Taf. I entsprechen
ungefähr den Zuständen aus dem 3. Monate., die v. Kölliker in den bekannten Figuren 23 und 24 der
Tafel IV seiner zum Züricher Jubiläum 1883 herausgegebenen Arbeit über die Entwicklung des Auges und des
Geruchsorganes menschlicher Embryonen abgebildet hat, in welchen Figuren die beiden Tractus olfactorii sich
bogenförmig um die Sylvische Grube herum nach dem Vorderende der Schläfenlappen hin ausdehnen und mit
demselben verschmelzen, v. Kölliker sagt in der Figurenbeschreibung: »Der Lobus olfactorius .... lässt sich
lateralwärts durch das Inselfeld bis zum Lobus inferior verfolgen.» Zuckerkandl, Avelcher die Fig. 24
v. Kölliker's reproducirt hat, fügt hinzu: »Man sieht, dass die äussere Wurzel des Riechlappens bedeutend stärker
als beim Erwachsenen ist» (Ueber das Riechcentrum, 1887). v. Miiialkovics hatte indessen schon früher (1877) die
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