Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/retzius1896-1/0025
7

der verdickten Schlussplatte selbst, und sie ist nach ihm »als ein gekreuzter Theil des Fornix zu betrachten», zu
dem sich jedoch später noch anderweitige Fasersorten gesellen.

Was nun meine eigenen Untersuchungen betrifft, so habe ich mich bei den menschlichen Embryonen, die
mir zur Verfügung gestanden, vielfach bemüht, die Frage von dem Entstehen des Balkens und des Septum pellu-
cidum zu eruiren. Es zeigte sich indessen, gerade auf Grund der oben angeführten Schwierigkeiten, hinreichendes
und gutes Material zu bekommen, dass dieses keine leichte Aufgabe ist. Man bekommt nämlich hin und wieder
Präparate, welche die schon gewonnenen Ansichten wieder zweifelhaft machen. Auf der Tafel IV habe ich hier
unten eine Auswahl meiner Medianschnitte zusammengestellt. In der Fig. 1, von dem Anfang des 3. Monates,
sieht man noch keine Anlage des Balkens; in der Fig. 2, von dem Ende des 3. Monates, ist eine verdickte Schlussplatte
zu sehen; in der Fig. 4, von dem Ende des 3. oder dem Anfang des 4. Monates, ist am oberen Ende
der wieder verdünnten Schlussplatte, dicht vor derselben, ein kleines Höckerchen sichtbar, das in der Fig. 5
vergrössert ist; eine wirkliche Quercommissur ist aber an dieser Stelle noch nicht vorhanden; weiter unten in
der Schlussplatte ist schon die Commissura anterior angelegt.

Die Fig. 3 stellt aber ein Stadium dar, welches wichtig ist. Hier erkennt man am oberen Theil der Schlussplatte
einen vorspringenden Haken, dessen Winkel nach unten hin offen ist. Wenn man nun mit dieser Figur
die Fig. 7 vergleicht, so erkennt man hier dieselbe Einrichtung, obwohl in weiterer Entwickelung, indem sich in
diesem etwas älteren Stadium der Haken verdickt und verlängert hat. In beiden Fällen hängt er aber hinten
direet mit der Schlussplatte zusammen. Der untere Winkel ist in Fig. 7 noch offen, indem das von ihm ein-
gefasste Feld der medialen Hirnoberfläche angehört. In dem in Fig. 6 abgebildeten Präparat ist dasselbe der
Fall; nur ist hier die Lamina terminalis nicht deutlich angegeben. In dem in der Fig. 9 abgebildeten Gehirn
fängt das Vorderende des Hakens an, sich nach unten umzubiegen; das Feld ist aber noch offen. In dem in
Fig. 10 wiedergegebenen Medianschnitt ist der Fortsatz vom Vorderende des Hakens noch weiter nach unten
gewachsen und das winklige Feld fängt an, umrahmt zu werden. Dasselbe findet man auch in Fig. 8. In diesen
beiden Figuren (8, 10) sieht man aber auch von unten her, von der Lamina terminalis, eine schmale Leiste emporsteigen
, deren Bedeutung ich nicht anzugeben vermag, denn dass das dreieckige Feld normalerweise auch von
unten-vorn durch eine besondere, hervorschiessende Lamelle eingefasst wird, dafür liegen sonst keine Beweise
vor; da die Leiste aber in diesen Präparaten vorhanden war, will ich sie nicht stillschweigend übergehen.

Dass wir in dem zuerst als kleiner Hügel, dann als Haken erscheinenden Gebilde die Anlage des Corpus
callosum vor uns haben, ist offenbar. Diese Entwickelung des Corpus callosum stimmt auch im Grossen und
Ganzen mit den Angaben von Schmidt, Mihalkovics, v. Kölliker und Marchand überein. Vor Allem sind,
was das Entstehen des Balkens in seinem allerersten Anfang betrifft, die hierauf bezüglichen Angaben Marchand's
zutreffend. Dagegen bin ich mit ihm hinsichtlich der Entwickelung des Cavum corporis callosi und des Septum
pellucidum nicht einverstanden, sondern ich schliesse mich in dieser Beziehung vollständig der Anschauung von
v. Kölliker und P. Martin (bei der Katze) an. Aus meinen Präparaten geht nämlich nur hervor, dass ein vor
dem oberen Ende der Schlussplatte belegenes dreieckiges Feld der medialen Hirnoberfläche von dem hakenförmig
hervorwachsenden Corpus callosum eingefasst, resp. umschlossen und dadurch zum Cavum, resp. Septum pellucidum
wird. Dieses wird noch deutlicher, wenn man die folgenden Stadien mit den früheren vergleicht. In dem
in Fig. 11 und 12 der Taf. IV abgebildeten Gehirnen ist diese Umrahmung des dreieckigen Feldes beinahe bewerkstelligt
, und in den folgenden Figuren (13—23) derselben Tafel erkennt man die weitere Ausbildung des
Cavum corporis callosi, resp. des Septum pellucidum. Die näheren Verhältnisse bei der Ausbildung dieser Partien
sind längst bekannt, und ich brauche deshalb hier nur auf die Abbildungen der Tafel IV und verschiedener
anderer Tafeln zu verweisen. Dass der Boden des Cavum von der sogen, verlängerten Schlussplatte gebildet wird,
ist in neuerer Zeit besonders von Marchand und Martin hervorgehoben worden, und dass das Corpus callosum
immer mehr im Randbogen nach hinten hin wächst, wodurch die Theile des Randbo<?ens hier allmählie: verdrängt
und rudimentär werden, ist längst bekannt, Ebenso weiss man, dass die Gewölbsschenkel sich der Bodenplatte
des Balkens von unten her anlegen und zum Theil an sie anwachsen. Ferner ist es eine längst bekannte That-
sache, dass sich das Cavum corporis callosi (s. septi pellucidi) allmählig von hinten her schliesst, indem sich die
dünne Bodenplatte an das Dach des Cavum anlegt und an dasselbe anwächst. Diese Obliteration der Höhle
findet verschieden schnell statt, doch ist die Höhle im 7. Monat in der Regel noch bis zum Splenium offen, und
erst im 8. und 9. Monat schiebt sie ihre hintere Grenze weiter nach vorne, so dass diese am Ende des Foetallebens
etwa die Mitte der Balkenlänge einnimmt. Ich verweise hier auf die betreffenden Figuren der Taf. XX—XXXI, ebenso
auf die auf manchen anderen Tafeln (z, 13. Taf. VIII, IX, X, XI, XIV, XV und XIX) abgebildeten Medianschnitte.


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/retzius1896-1/0025